Homöopathie und die Elemente - AKTIONSPREIS 78,- statt 85,- - Sie sparen 7,-!
von Scholten, Jan
Vorwort:
Das Finden des passenden Mittels ist die größte Schwierigkeit der homöopathischen Methode. Das scheint ein Allgemeinplatz zu sein. Und doch ist es nicht wahr. Die allergrößte Schwierigkeit ist, zu entscheiden, daß man das Mittel, welches man sucht, noch nicht gefunden hat. Eine der Aussprachen, die mir bisher am besten die Augen geöffnet haben, ist das umgekehrte Similiagesetz nach Jan Schölten: "Zu einem unbekannten Bild gehört ein unbekanntes Mittel". Ein brillianter Hinweis für jeden, der sich mit Homöopathie beschäftigt, sowohl für den Verzweifelten, der nach dem Mittel für sein Problempatienten sucht, als auch für den Gesättigten, der findet, daß er die Methode jetzt schon beherrscht.
Es wird manchmal über die Frage diskutiert, ob Homöopathie nun eine Kunst ist oder eine Wissenschaft. Die Diskussion hat mit der wissenschaftstheoretischen Kernfrage zu tun, ob die Heuristik zur Domäne der Wissenschaft gehört oder, daß sie wie es vielbedeutend heißt, als "vorwissenschaftlicher Prozeß" betrachtet werden muß. Heuristik ist die Methode des Findens. Um etwas Neues zu finden, muß man versuchen herauszubekommen, wo man suchen muß, und das hat wieder mit einem Talent für Problematik zu tun. Das bedeutet, wenn man alles kritiklos hinnimmt und mit allem einverstanden ist, wie es jetzt ist, dann wird man nie die Notwendigkeit empfinden, den Blick auf etwas anderes zu richten. Wenn man das Problem des Status quo erkennt, dann macht man sich auf die Suche nach fehlenden Stücken und nach versetzbaren Grenzen.
Dieses Buch handelt vom Periodensystem. Die beste Einleitung für die hier angebotene Erneuerung ist folgende Übung: man zeichne auf ein großes Blatt Papier eine Tabelle mit 18 Spalten und 7 horizontalen Reihen und fülle die Fächer auf gebräuchliche Weise mit den Elementen des Periodensystems aus, Hydrogenium, Helium, Lithium etc. Man nehme daraufhin die ausführlichste Materia medica, die zur Verfügung steht und notiere daraus in jedes Fach der Tabelle die wichtigsten Merkmale der Mittel aus dem Periodensystem, die homöopathisch bekannt sind. Wenn das getan ist, betrachte man das Ergebnis, und man wird entdecken, daß die meisten Fächer leer sind. Man stelle sich die Frage: Warum ist das eine Fach leer, während in dem anderen ein Polychrest steht wie Ferrum metallicum, Phosphor, Sulfur oder Aurum metallicum? Bemerken Sie das Problem, das hier auftaucht? Sie haben soeben eine heuristische Frage von Format gestellt. Der Schritt zwischen Frage und Anwort ist: Aktion! Diese Aktion hat Jan Schölten unternommen und das Ergebnis ist diese Buch: eine Materia medica des Periodensystems. Mit diesem Buch in der Hand können Sie die leeren Fächer ihres Periodensystem, auszufüllen beginnen.
Aber das ist nicht alles. Seit ich das Manuskript von "Die Elemente" auf meinem Schreibtisch liegen habe, ist nicht nur die Anzahl der Mittel in meiner Materia medica ansehnlich erweitert, sondern ist auch eine große Veränderung aufgetreten in anderen wesentlichen Elementen der homöopathischen Methodik: Die Anamnese und die Beurteilung der Wirkung nach dem Gesetz von Hering, das aussagt, daß für eine dauerhafte Heilung die am meisten gestörte hierarchische Lage der Person als erstes geheilt werden muß.
Die Strategie des Suchens bis über die komfortable Zone der Polychreste hinaus, liefert uns hierbei jedoch Probleme. Man verliert nämlich die Beziehung zwischen Materia medica und der Wirkung auf den Patienten. Verschiedene Änderungen können nicht mehr in Beziehung gebracht werden mit den bekannten Kennzeichen der Mittel, so wie das zum Beispiel der Fall ist, wenn nach der Gabe von Sulfur, Pulsatilla oder Medorrhinum die berüchtigten heißen Füße verschwinden, oder wenn das Calcarea carbonica-Kind weniger an seinem Kopf schwitzt während seines Schlafes je mehr seine Halsentzündung abbnimmt. Viele unter uns haben das Problem zum ersten Mal erkannt, als ihnen in den Achziger Jahren die Augen geöffnet wurden durch Vithoulkas:
"Man findet nie einen Polychrest ohne Schlüsselsymptome." In meiner Anfangszeit habe ich einmal einer Patientin Arnika verschrieben wegen eines geprellten Ellbogens nach einem Fall ins Bad und entdeckte zu meinem Erstaunen, daß die Reaktion hierauf folgendermaßen zeigte: "Ich fühle mich wie ein anderer Mensch." Das heißt, es handelte sich um eine tiefe persönliche Besserung bei dieser offensichtlichen Arnikapatientin. Diese überraschenden konstitutionellen Veränderungen als Reaktion auf ein lokal gewähltes Mittel bilden das Bindeglied zwischen der Schlüsselsymptom- Beschreibung und der "klassischen" konstitutionellen Analyse. In den vergangenen Jahren sind viele Additionen zum Repertorium entstanden durch die Beobachtung dieser Art Überraschungen. Um diese Mittel in den leeren Fächern des Periodensystems erkennen zu können, haben wir jedoch keine Hilfe an den Schlüsselsymptomen, die sie schließlich noch nicht haben. Hierfür sind wir auf die Methode angewiesen, die Jan verwendet hat, um sie zu entdecken: die Gruppenanalyse, die wir inzwischen aus seinem Buch "Homöopathie und Minerale" kennen.
Die Gruppenanalyse ist mit oberflächlicher Information nicht anwendbar und gerade darum zwingt sie uns, auf die Frage der höchsten gestörten Ebene des Patienten einzugehen. Jeder, der dieses Buch in der Praxis verwendet, wird entdecken, daß an seine diagnostische Gedankentiefe eine Dimension hinzugefügt wird: ein bekanntes Bild bekommt ein bekanntes Mittel, ein merkwürdiges Bild bekommt ein merkwürdiges Mittel und ein unverstandenes Bild bekommt notgedrungen das verkehrte Mittel. Wenn wir mit der Diagnostik weitermachen bis zum Einfühlungsniveau, in dem ein wirkliches Verständnis zustande kommt, finden wir Mittel, die auch die Reichweite haben, um wesentliche Veränderungen beim Patient veranlassen zu können.
Clarke konnte noch schreiben, daß ein Aurum-Fall mit Sulfur-Kennzeichen wahrscheinlich Aurum sulfuricum nötig haben wird, oder ein gemischter Fall von Sulfur und Calcarea carbonica, Hepar sulruris. Die Gruppenanalyse geht viel weiter als eine solche Kombinationsdiagnose. Nicht die Quantität der Summe 50% Aurum + 50% Sulfur = Aurum sulfuricum zählt, sondern eine eigene Charakterisierung mit qualitativen Bezeichnungen. Cuprum muriaticum ist nicht mehr ein Cuprum Schlüsselsymptom bei einer Frau mit Natrium muriaticum Kennzeichen, sondern es ist eine Frau mit einer verkrampften Auffassung der Mutterschaft. Und wenn das Mittel wirkt, wird nicht nur der Husten verschwinden, der nach einem Schluck kaltem Wasser gelindert wurde, sondern sie wird auch ihrer Mutterschaft einen anderen Inhalt geben. Und der Mann mit Magenbeschwerden mit dem nächtlichen Speichelfluß von Mercurius verbunden mit den unruhigen Füßen von Zincum ist tatsächlich in der Krise seiner kreativen Entwicklung, die zu Cadmium paßt: die Ohnmacht seine Kreativität zu Handhaben. Und hier ist der Maßstab der Genesung nicht das Verschwinden des Speichelflusses, was nach einer Dosis Mercurius auch gebessert sein müßte, oder die Ruhe in den Füßen, die nach einer Dosis Zincum zurückkehren würde. Nur die gelöste Krise gibt an, das wir das richtige Mittel gewählt haben, was in der "kreativen" Silberserie des Periodensystems steht zwischen Zincum in der "aufgabengerichteten" Eisenserie und Mercurius in der "herrschenden" Goldserie. Der Brennpunkt der Diagnostik richtet sich auf den Lebenslauf: Erkenne ich, warum der Patient handelt und Entscheidungen trifft, so wie er es tut? Der Brennpunkt der weiteren Schritte richtet sich genauso auf dieses existentielle Niveau: hilft das Mittel dem Patienten, sein Leben besser einzurichten?
Mit dem Erschaffen eines Begriffe- und Interpretationsschemas, das die Probleme des Patienten in qualitativen Benennungen der Persönlichkeitserfüllung beschreibt, schart Jan sich in die Glieder einer modernen spirituellen Strömung, in der wirkliches Verständnis und Respekt für einander die Basis der Behandlung darstellt. Es ist meine entschiedene Überzeugung, daß dieses Buch auf manche therapeutische Verbindung einen wohltuenden Einfluß haben wird.
Fernand Debats