Die Lehre der Chronischen Krankheiten nach Samuel Hahnemann - eine kritische Untersuchung und Quellenanalyse des Hahnemannschen Modells - AKTIONSPREIS 12,90 € statt 19,- € - Sie sparen 6,10 €! | Nachauflage wieder lieferbar ab Sommer 2012
von Dimitriadis, George
Vorwort:
Prolog
Es hat mich immer gestört, dass ich zwar in der Lage war, alle Aspekte der Homöopathie selbst gegen die schärfste intellektuelle Kritik verteidigen zu können, nicht aber die logischen Argumente der miasmatischen Theorie der chronischen Krankheiten, wie sie von den meisten Homöopathen bis heute vertreten wird. Ich war immer sehr beunruhigt, wenn ich Kollegen zuhörte, die über Miasmen und ihre klinische Bedeutung sprachen, weil es dabei zu viele unüberprüfbare Annahmen gab, die ohne viel Nachdenken oder Nachprüfen von Lehrern an die empfänglichen Schüler weitergegeben wurden - man konnte den zahllosen Meinungen aus den unterschiedlichsten Quellen nur glauben oder nicht glauben. Es gab keinerlei Bezug auf Originalquellen, keine Fakten. Wenn Lehrer der verschiedenen Richtungen der "Miasmentheorie" genauer nach den Quellen ihrer Aussagen befragt wurden, konnten sie regelmäßig keine Antwort geben und mussten meist zugeben, dass sie den alten "Autoritäten" auf diesem Gebiet blind vertraut hatten. Als ich dann die Schriften dieser Autoritäten las, konnte ich auch dort keine echten Quellen oder konkreten Tatsachen entdecken.
Aus Unzufriedenheit mit solch übersinnlichen Ergrübelungen , die sich weder auf experimentelle noch empirische Daten stützten, aber trotzdem von meinen Kollegen und Lehrern überzeugt vertreten wurden, und aus Respekt vor Hahnemann, entschloss ich mich seine Schriften ohne fertiges Konzept oder Vorurteil erneut von Anfang an kritisch zu prüfen, um eine genaue Vorstellung seines Modells der chronischen Krankheiten zu erhalten, bevor ich es akzeptieren oder verwerfen wollte.
Für jeden Homöopathen ist es wichtig die Entwicklung des Konzepts und den Aufbau der "Theorie der Chronischen Krankheiten" zu verstehen sowie deren Änderungen, die sie über die Jahre bis heute von späteren Homöopathen erfahren hat. Dann würde klar werden, dass Hahnemanns Vorstellungen völlig aufgebläht und falsch dargestellt worden sind und deshalb auf dem gesamten Gebiet jetzt viel Verwirrung herrscht; eine Tatsache, die um so erstaunlicher ist, angesichts der ausführlichen und detaillierten Aussagen Hahnemanns zu diesem Thema. Die fortdauernden Missverständnisse und daraus entstandenen falschen Lehren innerhalb unseres Berufsstandes rühren deshalb davon her, dass Hahnemanns Schriften nicht genau studiert wurden, oder von der Unfähigkeit, die Ergebnisse der Praxis genau zu beobachten und unvoreingenommen zu reflektieren, oder aus beiden. Wie Stuart Close sagt:
"Der große praktische Nutzen von Hahnemanns Theorie der chronischen Krankheiten ist nie richtig gewürdigt worden, weil sie nie richtig verstanden wurde."
Leider ist das heute nicht anders und der Leser wird deshalb gebeten, seine bisherige Meinung vorerst beiseite zu legen und zu versuchen, dem vorliegenden Aufsatz ohne Vorurteile zu begegnen.
Der Leser sollte alle vorhandenen Informationen mit der nötigen Klarheit und geistigen Offenheit zusammentragen, bevor er sich eine endgültige Meinung bildet.
Die Lektüre dieses Büchleins, zusammen mit der Reflexion der eigenen Erfahrungen bei der Behandlung chronischer Krankheiten, sollte mehr als genügen, um zu einem echten Verständnis und praktischen Nutzen von Hahnemanns Modell zu führen.
Der vorliegende Aufsatz wurde ursprünglich aus Vorlesungen für meine Studenten am Hahnemann Institute, Sydney (HIS) in den Jahren 1989 und 1990 sowie aus Materialien für Seminare in Sydney und Melbourne 1991 zusammengestellt und 1992 erstmals veröffentlicht. Er wird der Fachwelt in dieser zweiten Auflage jetzt erneut übergeben - verbessert durch viele neue Verweise, überarbeitet und in einem veränderten Format, zur besseren Klarheit. Der einzige Zweck dieser Arbeit ist es, durch das Studium von Hahnemanns Schriften die Fakten seiner Theorie der chronischen Krankheiten herauszuarbeiten. Denn ein klares Verständnis der Tragweite und der Anwendungsmöglichkeiten des diskutierten Themas ist mit Sicherheit von großem praktischen Nutzen für die Behandlungsstrategie bei allen akuten und chronischen Krankheiten.
Abschließend möchte ich meinen Freunden und engen Kollegen für die Unterstützung bei dieser zweiten Veröffentlichung danken: Bernhard Deutinger (Sydney) für seine wiederholten Ermutigungen, dass diese Arbeit immer noch gebraucht wird und für sein akribisches Korrekturlesen des Manuskripts und seine hilfreichen Vorschläge; meiner Frau Jacqualine für ihre (wie immer) verständigen und wertvollen Kommentare während der Überarbeitung; und Greg Oosterbaan (Hamilton, NZ) für seine wertvollen und überlegten Beiträge, die geholfen haben, noch mehr Klarheit für den Leser zu schaffen.
Schließlich begrüße und ermutige ich jede objektive Analyse und kritische Prüfung dieses Themas zum Wohle unseres Berufsstandes und der Patienten.
GD
Sydney, 10.5.20