Software Homöoquest Version 3.3
von Holling
Vorwort:
Lernen durch Wiederholung
Jeder angehende Homöopath ist mit der ihm fast unüberwindbar erscheinenden Aufgabe konfrontiert, sich die Symptome der verschiedenen Arzneimittel anzueignen und sich im Repertorium auszukennen. Die heutige Zeitnot und ständige Erweiterung des Informationsangebots vergrößert oft noch die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit eigener Kentnisse.
Es fehlt auch an durchdachten methodischen Ansätzen, sich die nötigen Inhalte zugänglich zu machen.
Aus zahlreichen psychologischen Untersuchungen geht hervor, daß Wiederholung des Stoffes in der richtigen Häufigkeit und zum richtigen Zeitpunkt ein zentraler Ansatzpunkt ist, Inhalte wirklich dauerhaft im Gedächtnis zu verankern. Viele Homöopathie-Interessenten verzetteln sich, indem Sie zu viel lesen, ohne auf die zeitabhängigen Bedingungen des Lernens durch Wiederholung zu achten.
Eine Methode, welche diese lernphysiologischen Grundsätze integriert, ist die Lernkartei nach Sebastian Leitner. Dieses Konzept wurde für die Homöopathie in der Ihnen vorliegenen Lernkartei HomöoQuest verwirklicht. Es wurde eine Software entwickelt, welche eine reale Lernkartei in Kastenform simuliert.
Der Wissensstoff wird in möglichst kleine Einheiten aufgeteilt und in Form von Frage- und Antwortkarten abgefragt. Hierbei bewirken häufige Erfolgserlebnisse eine große Motivation. Durch systematisches Wiederholen von schlecht beantworteten Fragen werden die leicht vergessenen Inhalte bedarfsgerecht gefestigt.
Schon den ersten Homöopathen war es klar, daß sich eigentlich niemand alle Einzelheiten merken kann.
Bönninghausen war der erste, welcher den Versuch unternahm, das Material zu konzentrieren, Wichtiges von weniger Wichtigem zu trennen:
Die reine Arzneimittellehre, verbunden mit den Ergebnissen am Krankenbette, enthält die Materialien, welche uns in den Stand setzen müssen, dem Gesagten zufolge das Krankheitsbild aufzunehmen. Indessen läßt sich nicht läugnen, daß die Masse derselben, auch nach vollständiger Ausscheidung alles unsichern und unwesentlichen, (was für jetzt noch wohl unmöglich wäre), viel zu groß ist, als daß selbst das trefflichste Gedächtniß im Stande wäre, sie vollständig zu behalten. Wäre dieses möglich, so würde es unstreitig am besten sein, alles ohne Ausnahme dem Gedächtnisse einzuprägen; aber ich darf wohl voraussetzen, daß die meisten in Betreff solcher Geistesfähigkeiten sich mit mir in ziemlich gleicher Lage befinden. Wir bedürfen daher einer Auswahl des Wichtigsten aus den Kräften jeder Arznei, um solche stets gegenwärtig zu haben, und müssen das weniger Wichtige für den Fall, wo es auch noch darauf ankommt, dem ferneren Nachschlagen vorbehalten. Wenn aber eine solche Auswahl ihren Zweck erfüllen soll, so darf sie nicht allzu weitläufig sein, um die gewöhnliche Fassungskraft nicht zu übersteigen und eine klare Übersicht zu gewähren, aber auch vollständig genug, um den Hauptwirkungskreis jeder Arznei zu umfassen und das Eigenthümliche derselben anzugeben. [...] Das hier Gesagte wird nun auch wohl hinreichen, jeden billigen Beurtheiler zu überzeugen, daß es mir nicht um Vermehrung der homöopathischen Literatur, sondern lediglich darum zu thun war, eine bisher, wenigstens für den Anfänger nochbestehende Lücke in derselben auszufüllen und diesem vorzüglich einen Leitfaden zu verschaffen, vermittelst dessen er sich in dem ungeheuren Walde von Symptomen orientiren und bei der Erforschung eines Kranken seine Fragen bestimmter auf das Wesentliche richten könne.
[aus Vorwort zu: Bönninghausen C. von: Versuch über die Verwandtschaften der homöopathischen Arzneien, nebst einer abgekürzten Uebersicht ihrer Eigenthümlichkeiten und Hauptwirkungen, Münster, 1836]
Die vorliegende Lernkartei fühlt sich Bönninghausens Anliegen verpflichtet und ist ein weiterer Versuch, "sich im ungeheuren Walde von Symptomen" zu orientieren und dem Anfänger diese Arbeit zu erleichtern.
Mit großem Aufwand wurden viele bewährte Arzneimittellehren und Symptomsammlungen (siehe Literaturliste) gesichtet, um mit den Fragen die wichtigsten Aspekte der Mittel abzudecken. Die besten Zitate und eindrücklichsten Beschreibungen wurden dazu herangezogen.
Das Lernen nach Schlüsselsymptomen und abgekürzten Arzneimittellehren ist zwar eine wichtige und orientierende Annäherung an die wirkliche Beherrschung der Materia Medica, die eigentliche Arbeit im Selbststudium ist jedoch dadurch kaum abkürzbar. Die beste Anleitung zum Erlernen der Materia Medica stammt von Constantin Hering.
[Ueber das Studium der homöopathischen Arzneimittellehre ACS, 17(1838),1,87-108 abgedruckt in Herings Medizinische Schriften, Hrsg. Gypser, Bd.II]
Er weist auf die Wichtigkeit hin, sich jedes Arzneimittel und seine Charakteristika durch wiederholtes Bearbeiten der Prüfungssymptome selbst zu erarbeiten. Kein Homöopath sollte es, nach Hering, versäumen, diesen konvergierenden Prozeß ausgehend vom Wust scheinbar unzusammenhängender Einzelprüfungssymptome bis zu den allgemeinen und abstrahierten Kernelementen der Mittel nachzuvollziehen. Jeder Homöopath sollte die Fähigkeit erwerben, aus unstrukturierten Prüfungssymptomen die Kernaspekte herauszulesen. Dadurch wird eine gute Assoziationsfähigkeit und das Denken in Analogien geschult.
Ganzheitliches Lernen wird besonders durch eine empathische Grundhaltung gefördert. Wer sich in den Prüfer und seine Empfindungen und Rekationen hineinversetzt, kann durch das "Nacherleben" einen nachhaltigen Eindruck gewinnen. Dieser Eindruck gibt zwanglos Zugang zu weiteren Assoziationen.
Dies vereinfacht das Lernen ungeheuer.
Stellenwert des Materia Medica Studiums für die Homöopathie
Das induktive Vorgehen bei dem Studium der Prüfungssymptome ist wegen seiner Modellhaftigkeit für die Anamnese und die Analyse der Symptome des Patienten so wichtig. Hier muß man sich in ähnlicher Weise in den Patienten hineinversetzen und aus dem undifferenzierten Sammelsurium der Symptome einen roten Faden, charakteristische Züge etc. herausfiltern. Der wertvolle Extrakt aus charakteristischen, auffälligen Symptomen und guten Allgemeinsymptomen muß dann zu den Hauptzügen der Arzneimittel in möglichst große Ähnlichkeit gebracht werden.
Es geht dabei nicht nur um das Auswendiglernen der vielen Details, sondern auch um ein Kennenlernen der vielfältigen Aspekte des Menschseins. Arzneimittelstudium bereichert die Menschenkenntnis und differenziert das eigene Menschenbild. Jedes Symtom ist eine Antwort der Lebenskraft auf den Versuch, sie mittels einer Störung (Kunstkrankheit) aus dem Gleichgewicht zu bringen. Symptome sind also vitale Reaktionen - quasi Aspekte der gleichgewichtserhaltenden Fähigkeiten des lebendigen Organismus. Sie stellen sich dar wie Antworten auf provokante Fragen. Sie geben tiefe Auskunft über die Innenwelt des Menschen und vermitteln dadurch ein Menschenbild, welches in seiner Vielfalt und körperlich-seelischen Einheit von keiner Anthropologie übertroffen wird. Die Homöopathie hat in den seit zwei Jahrhunderten durchgeführten Arzneimittelprüfungen eine extrem breit gefächerte und oft unübersichtliche Symptomenvielfalt hervorgebracht. Dies entspricht der Komplexität der menschlichen Natur.
Jeder Mensch hat seine eigenen spontanen Muster und Stereotypien (=Krankheiten). Wenn er einem Arzneimittel bei einer Prüfung "begegnet", sind die reaktiven Symptome immer eine Mischung individueller Eigenheiten des Menschen und mitteltypischer Elemente. Erst das Summieren aller Symptome und aller Prüfer läßt die unsystematischen individuellen Anteile herausmitteln. Die arzneimitteltypischen Elemente treten immer klarer und deutlicher hervor und entwickeln sich zu den wahren Konstanten des Arzneimittels. Sie sind es, die sich später in der Anwendung am Patienten immer wieder bewähren.
Wofür eine Lernkartei Materia Medica?
In den neuen Richtlinien zur Ausbildung in der Homöopathie, herausgegeben vom European Committee for Homoeopathy1994, wird ein relativ hoher Standard fomuliert. Es wird eine mindestens 3-jährige Ausbildungszeit mit 200 Stunden Vorlesung, 150 Stunden praktischer Ausbildung und 600 Stunden Eigenstudium vorgeschlagen. In vielen Ausbildungsgängen werden abschließend Examina abgenommen. An dem vom ECH empfohlenen hohen Stundenanteil erkennt man die Bedeutung des Selbststudiums in der Homöopathie. Der Lernende ist damit oft ohne Hilfen alleingelassen.
Hier schließt die Lernkartei eine Bedarfslücke. Diese mühselige aber, wie oben schon dargestellt, notwendige Arbeit kann nun mit der Lernkartei etwas aufgelockert und nach lernpsychologischen Grundsätzen optimiert werden. Viele Symptome müssen einfach "gepaukt" werden. Längst nicht alles leitet sich zwanglos aus der Essenz ab. In diesem Bereich kommt dem Faktor Wiederholung die größte Bedeutung zu. Dies wird oft unterschätzt. Die Kartei bietet mit Hilfe der gefächerten Kästen das ideale Hilfsmittel zur optimalen Wiederholung der Inhalte.
Auswahl und Gestaltung der Inhalte
Basiswissen Materia Medica:
Der Umfang der abgefragten Mittel ist den Anforderungen an die 3-jährige Grundausbildung angepaßt. Es sind ca. 150 Mittel in 6 Kästen a'500 Fragen. Die abgefragten Inhalte umfassen die Kernaspekte derjenigen Mittel, die jeder Homöopath beherrschen sollte. Die Auswahl beschränkt sich auf praktisch Bewährtes, Schlüsselsymptome und Charakteristika.
Die abgefragten Inhalte wurden so ausgewählt, daß sie eine Art Skelett des Arzneimittels darstellen. Die Wiederholung stabilisiert die Kernelmente des Mittels, wodurch sie zu Pfeilern werden, an denen später weitere Inhalte aufgehängt werden können.
Wie aus den vorherigen Ausführungen ersichtlich, war es mir wichtig, neben der Aneinanderreihung wichtiger Elemente des Arzneimittels auch einen inneren Zusammenhang der Symptome zum Ausdruck zu bringen. In der Reihenfolge der Fragen und Antworten wurde auf den roten Faden, der sich manchmal durch ein Mittel zieht, Rücksicht genommen. Viele Fragen schließen sich an vorherige Antworten an und helfen, die ganzheitlichen Aspekte eines Mittels zu erfassen.
In den Fragen, und am stärksten in den Kommentaren zu den Antworten, findet sich noch viel zusätzliche bereichernde Information. Oft werden passende Rubriken aus dem Repertorium abgedruckt, um die Relevanz eines Mittels im Verhältnis zu anderen Mitteln für ein bestimmtes Symptom aufzuzeigen. Manchmal sieht man, daß es kaum ein anderes Mittel für das Symptom gibt und manchmal lernt man die Differentialdiagnose des Symptoms gleich mit. Der fortgeschrittenere Leser kann es sich zur Aufgabe machen, auch die weiteren Mittel einer Rubrik zu lernen. Die Repertoriumrubriken entstammen dem Complete Repertory von Roger van Zandvoort, welches mir in seiner Computerversion 3.0 zugänglich war. Die Rubriken wurden zweisprachig dargestellt. In einigen Fällen wird sich die Einordnung und Übersetzung der Rubriken von anderen Repertorien wie z.B. dem Synthesis unterscheiden. Einige Rubriken können in anderen Repertorien auch völlig fehlen. Es ist jedem freigestellt, "seine" Rubrik aus seinem Repertorium auf der Karte nachzutragen.
Jedes Mittel beginnt mit einer Frage nach dem Ursprung des Stoffes, der Familienzugehörigkeit, nach dem umgangsprachlichen Namen etc. Daran schließen sich meistens Fragen nach Aussehen und Typ. Dann kommen die "kernigsten" Aspekte des Mittels - oft Geist/Gemütssymptome, dann die Allgemeinsymptome und später Einzelsymptome. Am Ende eines Mittels kommen die sogenannten "Sternfragen". Der Mittelabkürzung auf der Rückseite ist ein (*) vorangestellt. Hier wird nach einem Mittel für ein Symptom oder eine Kombination davon gefragt. Da sie aber alphabetisch zum Mittel gehörig einsortiert sind, sollte man sie lieber aus dieser Ordnung herausnehmen und getrennt lernen. Die Antwort wüßte man sonst immer schon im voraus. Es bleibt aber jedem überlassen, einen eigenen Umgang mit der Kartei zu finden.
Bei jeder Antwort findet man eine genau Literaturangabe als Beleg. Die Literaturliste dazu finden Sie nach diesem Vorwort.
Die Karten können zur Wiederholung eines gerade gelernten oder besprochenen Mittels herangezogen werden. Es gibt die Möglichkeit, in der Arbeitsgruppe durch gegenseitiges Abfragen, spielerisch zu lernen.
Einige Nutzer nehmen sich die Stapel für gemeinsame Reisen per Zug oder Auto zu Seminaren mit und verkürzen sich die Fahrzeit durch gegenseitiges Abfragen.
Wie arbeitet man mit der Lernkartei nach Sebastian Leitner?
Es gibt ein großes Fragenreservoir, in dem zu Anfang alle Karten liegen. Es besteht nun die Aufgabe, jede Karte durch die Kaskade der fünf unterschiedlich breiten Fächer hindurch zu bringen.
Die Grundregel ist:
Wird eine Frage (nach eigenem Ermessen) ausreichend beantwortet, so wandert die Karte ein Fach weiter, wird sie nicht ausreichend beantwortet, wandert sie in das Fach I (das erste Fach, nicht das Reservoir).
Daraus folgt auch, daß man beim ersten Durchgang, also vom Reservoir in das Fach I, eigentlich nichts falsch machen kann. Ganz gleich wie man die Beantwortung beurteilt, die Karte landet im Fach I. Das hat den Sinn, daß beim ersten Mal die Karte ja erstmal gelesen werden soll. Es ist überhaupt für den Lernfortschritt wichtig, sich nicht lange mit quälenden Gedanken und Erinnerungsversuchen aufzuhalten. Lieber schnell lesen und zu nächsten Karte weitergehen.
Fangen Sie also mit der ersten Karte an. Lesen Sie zunächst die Frage. Wenn Sie im ersten Durchgang die Antwort nicht gleich wissen, schauen Sie ohne lange nachzudenken die Antwort auf der Rückseite nach. Im ersten Durchgang geht es nicht um Leistung. Nach Klick auf die Tasten "Bestanden" oder "Durchgefallen" wandert die Karte nun in das Fach I. Das sehen Sie auch graphisch, daran daß der Balken von Fach I langsam dicker wird und die Zahl darin sich jeweils um eins vergrößert.
Mit weiteren Karten können Sie so fortfahren bis das erste Fach voll ist. Das Programm weist automatisch darauf hin und der Aktivitätspfeil wandert nun auch zu Fach I. Die erste Karte von Fach I wird vorgelegt. Sie wiederholen also dann die Karten aus dem ersten Fach. Wenn Sie eine Frage nach eigenem Urteil ausreichend beantwortet haben, klicken Sie auf die Taste mit dem "Daumen hoch" (=bestanden), ist sie ungenügend beantwortet, klicken Sie auf die Taste mit dem "Daumen runter" (=durchgefallen). Sie können auch alternativ die Pfeiltasten der Tastatur verwenden. (Pfeil hoch=bestanden, Pfeil runter=durchgefallen).
Wenn alle Fragen wiederholt sind, springt das Program automatisch wieder in das Fragenreservoir zurück.
Immer wenn ein Fach voll wird, gelangen Sie automatisch dorthin, um es wieder per Wiederholung zu leeren.
Dies gewährleistet, daß alle Fragen mindestens 5 mal in größerwerdenden zeitlichen Abständen wiederholt werden. Schlecht zu behaltende Fragen werden sogar häufiger wiederholt.
Ist das letzte große Fach voll, werden die Fragen ein letztes Mal wiederholt und gelten danach als erledigt.
Es empfiehlt sich einmal am Tag ca. eine Stunde an der Lernkartei zu arbeiten. Wenn Sie längere Zwischenzeiten einlegen, bleibt nicht viel haften und alle Fragen landen wieder im ersten Fach. Die Wiederholung zum richtigen Zeitpunkt ist der entscheidende Punkt. Die Lernpsychologie hat festgestellt, daß gerade in der ersten Zeit nach Aneignung eines Stoffes am meisten vergessen wird. Gerade dann zahlt sich häufigeres Wiederholen aus. Die zunehmende Fächerbreite ist die Konsequenz dieser Tatsache.
Wenn Sie das Fächersystem nicht nutzen wollen, können Sie die Karten mit dem Vorwärts- und Rückwärtspfeil durchblättern. Es werden dann keine Karten in andere Kästen gelegt.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, nur ausgewählte Mittel zu lernen. Dazu klicken Sie einfach auf die Arzneimittelabkürzung rechts oben. Es öffnet sich ein Menü mit der Liste der vorliegenden Arzneimittel. Sie können ein Mittel auswählen und dann erscheinenen Fragen durchgehen.
Literaraturliste
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Zandvoort, R.: Complete Repertory, Computerversion 3.0, Kent's Associates
Die Lernkartei ist angelehnt an die Ideen Sebastian Leitners aus dem Buch: "So lernt man lernen." Herder 1972