Erste Hilfe durch Homöopathie
von Ratera i Mateu , Manuel
Leseprobe:
1. 7. Verletzungen der Zähne? Schnell zum Zahnarzt!
Verletzungen
Schläge und Verletzungen im Gesicht können Mund, Zunge und Zähne in Mitleidenschaft ziehen, wobei schwerwiegende Verletzungen vom Facharzt (Kiefer- oder Gesichtschirurgen) behandelt werden müssen. Das homöopathische Arzneibuch enthält sehr hilfreiche Mittel zur lokalen Wundbehandlung, zur Schmerzlinderung und zur Behandlung von Blutungen bei Zahnverletzungen.
o Die lokale Wundversorgung sollte mit 2%iger Calendula officinalis-Lösung erfolgen, die konstitutionelle Behandlung von Schmerzen und Entzündung entweder durch Arnica montana, Hypericum oder Aconitum napellus.
o Arnica montana (C 15-30, alle 1-3 Stunden, 2 Tage lang): Bei Verletzungen von Weichteilen, Knochen oder Zähnen mit Schmerzen, Quetschungsgefühl und Blutergüssen. Der Patient hat Angst, wenn man sich ihm nähert, weil dies mit Schmerz verbunden sein kann. Arnica montana reabsorbiert Blutergüsse, bringt eine beträchtliche Linderung der Schmerzen und läßt die Entzündung der Verletzung zurückgehen. Auch zum Stillen von Blutungen trägt es bei.
o Hypericum (C 15-30, alle 1-3 Stunden, 2 Tage lang): Wenn der Zahnnerv verletzt ist und bei abgebrochenen Zähnen mit sehr starken Schmerzen ist Hypericum das Mittel erster Wahl.
o Aconitum napellus (C 30, während der ersten 2 Stunden alle 10 Minuten): Wenn es durch einen Unfall zu Panik, ausgeprägter Ängstlichkeit und starken Schmerzen kommt. Wenn der Patient nach einem Unfall sehr unruhig und verschreckt ist und von starken Schmerzen geplagt wird. Die Symptome treten unvermittelt auf, es kommt zu Panik, großer Unruhe und Ängstlichkeit. In entsprechenden Fällen sollte Aconitum napellus gegeben werden.
Rißwunden in der Zunge
Wenn die Verletzung im Mundbereich neben den Zähnen auch die Zunge betrifft und eine Rißwunde oder eine verschiedene Gewebsstellen betreffende Kratzwunde verursacht, ist, vor allem bei starken Schmerzen, Hypericum angezeigt. Es fördert die Vernarbung und lindert den Schmerz.
o Hypericum (C 30, alle 6 Stunden, 2-3 Tage lang): Ausspülen des Mundes mit Mineralwasser, in dem ein Globulus Hypericum (C 6-30) aufgelöst wurde.
Angst vor dem Zahnarzt und den Schmerzen bei der Behandlung
Dieser weit verbreiteten Angst läßt sich durch Verabreichung homöopathischer Mittel entgegenwirken. Entscheidende Faktoren bei der Auswahl des geeigneten Mittels sind die Art der Angst, die Konstitution und der Charakter des Patienten sowie die Auswirkungen, die die Angst beim jeweiligen Patienten hat. Gelsemium sempervirens, Aconitum napellus, Argentum nitricum, Calcarea carbonica und Phosphorus sind hier die am häufigsten eingesetzten Mittel.
o Gelsemium sempervirens (C 30, eine Gabe am Tag vor dem Zahnarztbesuch sowie eine weitere eine Stunde vor dem Termin): Wenn sich die Angst vor dem Zahnarzt in einer Unruhe äußert, die den Betroffenen lähmt, schwächt und in manchen Fällen Durchfall hervorruft. Der Patient hat keinen Durst, ist so verschreckt, daß er weder sprechen noch handeln kann, befindet sich also fest im Griff einer lähmenden Angst. Angst, Schwächegefühl und Lähmung weisen daraf hin, daß die Verabreichung von Gelsemium sempervirens angezeigt ist.
o Aconitum napellus (eine Einzelgabe C 30-200 Korsakow): Wenn Panik und Unruhe vorherrschend sind bei einem Patienten, der unversehens einen Unfall mit Verletzungen erlitten hat, die eine zahnärztliche Untersuchung und Behandlung erforderlich machen. Wenn ein Patient wäh
rend einer Zahnextraktion oder -behandlung schlagartig Schmerzen bekommt, die ihn in solche Panik versetzen, daß er die Praxis verlassen möchte.
o Argentum nitricum (C 30, eine Gabe am Tag zuvor sowie eine weitere eine Stunde vor dem Zahnarzttermin): Angst, Ungeduld, Eile und angstbedingter Durchfall sind die vorherrschenden Kennzeichen eines Argentum nitricum-Zustandes. Gelsemium sempervirens ist wie gelähmt, bleich, unbeweglich, vor Angst wie versteinert, während Argentum nitricum am ganzen Leib zittert, unruhig und ängstlich ist, hin und her eilt und häufig kleine Mengen Durchfall entleeren muß. Für Argentum nitricum verrinnt die Zeit zu langsam, er möchte es am liebsten schon hinter sich gebracht haben! Es handelt sich mit um die hektischsten, ungeduldigsten und angstvollsten Patienten der gesamten Materia medica.
o Calcarea carbonica (eine Gabe in einer Potenzhöhe von mindestens C 30, mindestens eine Woche vor dem Termin): Zur konstitutionellen Behandlung bei ängstlichen, kälteempfindlichen, fettleibigen, apathischen und störrischen Patienten, die auf die klassische Konstitution von Calcarea carbonica ansprechen. Es handelt sich um sehr unruhige Patienten, die sich verletzbar fühlen und sich in ihre schützende Schale zurückziehen müssen (das Mittel wird aus der mittleren Lage der Austernschale gewonnen). Diesen Patienten verschafft die Verabreichung von Calcarea carbonica Standhaftigkeit und Sicherheit, es senkt ihre Angst vor Angriffen gegen ihre Person und vor dem Aufbruch ins Unbekannte.
o Phosphorus (eine Gabe in einer Potenzhöhe von mindestens C 30): Der Phosphorus-Patient ist sehr ausdrucksstark, sensibel und ängstlich; es handelt sich um eine Person, die sich von der Stimmung anstecken läßt, die gerade in der Luft liegt, vom Enthusiasmus, aber auch von den Ängsten anderer Menschen; redselig, ja geschwätzig, fühlt er die Leiden Anderer am eigenen Leib mit und schickt sich an,
ihnen zu helfen. Doch mangelt es ihm auch an "Schutzfiltern" vor dem Leid, und so mag ein solcher Mensch panische Angst vor dem Schmerz bei einem Zahnarztbesuch haben, vor Ärzten allgemein oder vor chirurgischen Eingriffen. Jedwedes Symptom erschreckt ihn zutiefst und führt ihn rasch zum Arzt, wo er sich durch eine Untersuchung Beruhigung verschafft. Es ist aber auch möglich, daß er seine Ängste nicht mitteilt, um seiner Umwelt nicht zur Last zu fallen, und still vor sich hinleidet. Dies ist ein weiterer, subtilerer Aspekt seiner ausgeprägten Sensibilität.
o Weitere Mittel: Zur Behandlung dieser Fälle wurden auch Magnesia carbonica und Tuberculinum eingesetzt.
Zahnschmerzen bei sehr nervösen Patienten
Auch wenn einer solchen Situation kein Unfall vorausging, kann sie sich zu einem regelrechten medizinischen Notfall entwickeln. Daher im folgenden einige der wichtigsten Mittel zur Behandlung von Patienten mit entsprechenden Beschwerden:
o Aconitum napellus: Panik, plötzliches Auftreten der Symptome, Angst vor dem Sterben und Kälteempfindlichkeit oder Zahnschmerzen durch kalte, trockene Zugluft oder eine Verkühlung. Die Schmerzen können auch infolge eines Kummers oder einer Kränkung auftreten. Nach dem Zubettgehen kann es zu reißenden Schmerzen kommen.
o Arsenicum album: Angst, Unruhe und ausgeprägte Nervenschwäche mit Durst, Schlaflosigkeit und Verschlimmerung bei Nacht. Sehr gewissenhafte, detailversessene, perfektionistische und anspruchsvolle Patienten. Die Zahnschmerzen verschlimmern sich durch Kälteeinwirkung, kalte Getränke und Arbeit an feuchten Orten; Besserung durch Wärmeeinwirkung (bei Chamomilla und Coffea cruda ist es genau anders herum). Die Schmerzen sind reißend und verschlimmern sich, wenn sich der Betroffene auf die schmerzende Seite legt.
Belladonna: Vor allem bei sehr nervösen Kindern während der Zahnung, wenn die Betroffenen Fieber haben, ohne zu schwitzen, rote, stark erhitzte Haut und großen Durst haben. Im Schlaf oder während im Fieberzustand kann es zum Delirium kommen. Die Schmerzen treten schlagartig auf und verschwinden ebenso plötzlich wieder. Kaffee oder Koffein können zu Verschlimmerung führen. Pulsierende Schmerzen mit Schwellung und starker Entzündung des Zahnfleisches, mit Verschlimmerung durch Zugluft.
o Chamomilla: Bei sehr reizbaren, unruhigen und launenhaften Kindern, die während der Zahnschmerzen laut schreien und sich winden. Verschlimmerung bei Nacht, durch Zugluft und jede Situation oder Nachricht, die sie in Aufregung versetzen, besonders wenn sie ausgeschimpft worden sind. Durch intensives Wiegen in den Armen tritt in der Regel Besserung ein; Kinder, die nachts immerzu weinen, ihre Eltern zur Verzweiflung treiben und nur einschlafen, wenn sie im Kinderwagen umhergefahren werden. Durch kaltes Wasser und Essen verschlimmern sich die Zahnschmerzen ebenfalls.
o Coffea: Zahnschmerzen bei sehr nervösen Patienten, starken Kaffee- oder Teetrinkern, aber auch bei Personen, deren Zustand sich durch die Erregung durch eine gute Nachricht verschlimmert. Extrem starke Schmerzen, der Patient ist äußerst unruhig und am Rande der Verzweiflung; wie auch bei Chamomilla Besserung durch kaltes oder eiskaltes Wasser und Verschlimmerung durch kalte Getränke.
o Gelsemium sempervirens: Zahnschmerzen infolge einer Erkältung oder Aufregung. Die Schmerzen von Gelsemium sempervirens treten unvermittelt und anfallsartig auf und strahlen wie bei einer Neuralgie auf verschiedene andere Körperregionen aus (Gesicht, Kiefer, Ohr). Wir haben bereits gesehen, daß Gelsemium sempervirens-Patienten ihre Emotionen sehr intensiv erleben und Angst vor Examen
oder Prüfungssituationen haben, auf die sie mit Durchfall, Schwächegefühl und Lähmung reagieren.
o Magnesia phosphorica: Neuralgische Beschwerden nachts im Bett, die sich durch Kälte verschlimmern und durch Wärme (Getränke, vor allem aber warme Anwendungen) und Druck bessern (man denke daran, wie sich die Unterleibsschmerzen von Magnesia phosphorica durch Druck bessern, ebenso bei Colocynthis). Unvermittelt auftretende Schmerzen, die plötzlich erscheinen und wieder verschwinden, ausstrahlen und den Patienten vor Schmerzen schreien lassen. Bei sehr nervösen, unruhigen, sensiblen und impulsiven Personen.
o Pulsatilla: Die Schmerzen von Pulsatilla treten vorzugsweise nachts nach dem Zubettgehen auf; im Freien und durch Waschen mit kaltem Wasser Besserung, durch Trinken von Kaffee, Kamillentee und Einnahme von Chinin Verschlimmerung; durch kaltes Wasser kann Besserung eintreten, während es durch warme Mahlzeiten zu Verschlimmerung kommen kann; angezeigt bei nervösen Patienten, die durch Bewegung und Spazierengehen an der frischen Luft Besserung zeigen und bei denen in warmen, geschlossenen Räumen Verschlimmerung eintritt.
o Staphysagria: Schmerzen während der Nacht; Verschlimmerung nach Mitternacht, durch Zugluft, Zähneputzen, Kaltes aller Art sowie durch zwischen den Zähnen hängengebliebene Brotstückchen; bei nervösen Patienten, die sich einer Zahnbehandlung oder -extraktion unterziehen mußten; empfindlichen Patienten, die sich durch eine Kränkung verletzt fühlen; überempfindlichen Patienten, denen ärztliche Eingriffe oder Zahnbehandlungen unerträglich sind.
Vor und nach einer Zahnextraktion
Das Ziehen eines Zahnes ist immer eine mehr oder minder traumatische Angelegenheit. Zur Vorbeugung von Schmerzen
und Blutungen infolge der Extraktion kann Arnica montana verabreicht werden.
o Manche homöopathisch geschulten Zahnärzte verabreichen zur Prophylaxe von Blutungen nach der Extraktion auch Millefolium.
o Arnica montana C 30, eine Einzelgabe vor und nach der Extraktion, wirkt vorbeugend gegen Blutungen und Schmerzen, vor allem bei schwierigen und traumatischen Zahnextraktionen.
o Staphysagria C 30, eine Woche vor der Extraktion und eine weitere Gabe am Vortag, kann zur Senkung der Schmerzüberempfindlichkeit mancher Patienten beitragen, die schon das bei Behandlungsbeginn übliche Spülen der Zähne mit einem kräftigen Wasserstrahl nicht ertragen. Das Mittel kann auch angezeigt sein, wenn nach schmerzhaften, traumatischen Zahnextraktionen Überempfindlichkeit an den Zähnen auftritt.
Zur Behandlung nach erfolgter Zahnextraktion gibt es neben den erwähnten Mitteln noch drei weitere, die zur Behandlung nachhaltiger Schmerzen am Zahnfleisch hilfreich sein können:
o Nux vomica: Das vielleicht hilfreichste dieser drei Mittel, denn die entsprechenden Schmerzen treten häufiger bei Patienten mit überempfindlicher Konstitution auf. Diese Menschen sind stets in Eile, sehr anspruchsvoll, ehrgeizig, reizbar und können sogar gewalttätig werden, wenn man sich ihnen widersetzt oder sie angreift. Perfektionistische, hingebungsvolle Arbeiter, die unter den Auswirkungen von Schlafmangel, einem Übermaß an Arbeit und dem Mißbrauch von anregenden Mitteln wie Alkohol und Tabak usw. leiden können.
o Hecla lava: Das Mittel zur Behandlung von Karies, die zu neuralgischen Schmerzen im Gesicht und dadurch bedingten Infektionen führen können, bei denen es zum Anschwellen der Kiefer kommt. Bei Ausbildung von Abszessen, Schwierigkeiten während der Zahnung und ei
ner ausgeprägten Neigung zu Karies mit Gewebszerstörung (Nekrose) und Infektionen (Abszessen, Sinusitis usw.). Angezeigt, wenn die Zahnextraktion unter den geschilderten Umständen anhaltende Schmerzen hinterläßt.
o Hypericum: Wenn die Extraktion den Zahnnerv gereizt hat und nach dem Abklingen des Betäubungsmittels starke, den Patienten zur Verzweiflung treibende Schmerzen nach sich zieht. Die Schmerzen treten anfallsartig auf und verschlimmern sich nachts.