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Heilende Schlucke

von Kollmann, Harald 
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Homöopathie ist alles andere als harmlos. Wenn sie harmlos wäre, würde sie ja nichts bewirken, und könnte man mit ihr nicht so sensationelle Heilungen in Gang setzen.

Daher die Warnung; Wenn Sie sich eines Mittels, welches Sie selbst nehmen oder einem anderen geben, nicht wirklich sicher sind, geben Sie es lieber nicht!

Aber die Sicherheit, die Sie brauchen, wollen wir versuchen, Ihnen auf den folgenden Seiten zu vermitteln. Die Homöopathie ist wirklich "nebenwirkungsfrei", wie der Untertitel diese Buches verkündet, aber nur, wenn sie sachgemäß angewendet wird.

So, nun beginnen wir gleich mal mit der ersten Behandlung. Unsere 40-jährige Nachbarin hatte krampfartige Magenschmerzen bekommen, die sie zur Verzweiflung brachten. Sie ließ sich von einem, der angeblich etwas von Homöopathie versteht, behandeln. Der kam zu ihr und verwendete zur Mittelfindung folgende Symptome:

"Lippen rissig" - eine Rubrik (Zeile) mit 19 Mitteln. "Bauchschmerzen mit Durchfall" - eine Rubrik mit vier Mitteln. "Bauchschmerzen, muß sich krümmen" - eine Rubrik mit acht Mitteln. In allen vier Rubriken kam das Mittel Chamomilla (Kamille) vor. Das gab ihr der Behandler aus einer mitgebrachten Taschenapotheke.

Die kranke Frau nahm brav das Mittel und wartete gequälte Stunden auf das ersehnte Wunder, aber es änderte sich nichts.

Konnte ja auch nicht, denn Chamomilla war das falsche Mittel in diesem Fall. Und ein falsches Mittel ergibt sich immer aus falschen Symptomen.

Die sehr rissigen Lippen hatte die Frau nämlich immer schon. Zu verwenden sind aber nur aktuelle Symptome, die seit Beginn der Magenschmerzen auftreten.

Dann dachte der Behandler immer nur an Bauchschmerzen, tatsächlich aber handelte es sich um Magenschmerzen. Wo der Magen liegt, sollte man eigentlich auch als Laie wissen; in der Mitte des Oberbauchs.

Ferner hatte er das wichtigste Symptom, das ja so intensiv und dramatisch ist, völlig außer acht gelassen: die krampfartigen Magenschmerzen! Schließlich hat der Behandler es versäumt, der Frau die wichtigste Frage zu stellen: ,,Wie begann die Geschichte? Was könnte als Auslöser in Frage kommen?" Dann hätte diese Frau ihm nämlich erzählt, daß sie sich schon morgens über irgend eine dämliche Person wahnsinnig aufgeregt hat und daß schon kurze Zeit später die Schmerzen begannen.

Die enttäuschte Frau gab nicht auf. Sie zog einen zweiten Behandler zurate. Dieser verwendete folgende Rubriken:

"Magenschmerz nach Erregung"; ,,Magenschmerz krampfartig"; »Magenschmerz, zusammenkrümmen bessert"; "Wärmeanwendung bessert Magenschmerz".
Das waren genau die richtigen Symptome.

Wie ging er vor? Er verglich die erste mit der zweiten Rubrik. Welche Mittel sind in beiden Rubriken vorhanden? Chamomilla, Colocynthis, Nux vomica, also drei. Diese drei Mittel verglich er nunmehr mit der dritten Rubrik, was blieb? Immer noch die drei Unentwegten: (abgekürzt) Cham., Coloc. und Nux v. Erst nach dem Vergleich mit der vierten Rubrik fielen Cham. und Coloc. weg und Nux v. blieb allein übrig.

Die Frau erhielt vier winzige Kügelchen dieses Mittels und löste sie in einem Glas Wasser auf. Zunächst nahm sie alle zehn Minuten ein Schlückchen dieser Lösung, weil es ja ein hochakuter Fall war.

Nach zwei Stunden konnte die Frau keinen Schluck mehr nehmen, weil sie in einen tiefen Schlaf verfiel, der bis zum nächsten Morgen dauerte. Als sie dann erwachte, ging es ihr schon wesentlich besser.

Ab jetzt nahm sie die Schlucke in größeren Abständen. Bis zum Mittagessen war sie völlig beschwerdefrei und konnte es kaum fassen.

Es wäre sehr vorteilhaft für Sie, wenn sie alle hier besprochenen Fälle in den Symptomverzeichnissen sofort nach vollziehen. Dadurch lernen Sie schneller.

Ein nächster Fall: Da springt doch nachts einer aus dem Bett, weil er "eben mal muß" und schlägt den Knöchel kräftig gegen die Möbelkante. Nächsten Tag schmerzt ihn der Fuß ganz unverschämt, bei jedem Auftritt und besonders beim Treppensteigen.

Wir fragen nun: Was tut da eigentlich weh? Weil über dem Knöchel ja nur eine dünne Haut liegt, wird bei einer Gewalteinwirkung praktisch immer die empfindliche Knochenhaut verletzt. Das Mittel hierfür ist: Ruta. Nach wenigen Schlukken einer C-Potenz-Lösung (das sind in Wasser aufgelöste homöopathische Streukügelchen), haben bereits am anderen Tag die Schmerzen fast ganz aufgehört. Natürlich hätte man das auch mit irgendeiner Salbe machen können. Aber eleganter und schneller geht's, wenn man von innen heraus behandelt.

Weiterer Fall: Einem 16jährigen wird es mitten in der Nacht sehr übel. Er steht auf, geht zur Toilette, weil er meint, sich erbrechen zu müssen. Aber er kann nicht erbrechen. Er meint, seine Übelkeit im Bauch zu empfinden. Er muß auch oftmals aufstoßen.

Schlagen Sie jetzt bitte die Symptome nach und zwar: Seite 173 und Seite 174. Das richtige Mittel war: Pulsatilla (Küchenschelle).

Weiter: Ein Mann mit 35 Jahren klagt über heftige, krampfartige Rückenschmerzen im rechten Schulterblattbereich. Er kann sich kaum noch bewegen, denn jede Bewegung verschlimmert noch den Schmerz. Die Sache begann allmählich und steigerte sich binnen zwölf Stunden so sehr, daß er ins Bett mußte.

Als Ursache ergab sich folgender Tatbestand: Der Kranke hatte am Vortag einem Freund geholfen, einen schweren Automotor auf einen Anhänger hochzuheben. Unmittelbar danach begann es mit den Schmerzen.

Ihre Aufgabe ist folgende: Sie unterstreichen sich jetzt die Symptome, die sie für geeignet, intensiv und wichtig halten und suchen das geeignete Mittel für diesen Mann.

Die Losung der Aufgabe finden Sie am Schluß des Kapitels "Weitere Fragen?".

Der Mann hat übrigens das Mittel genommen und nach drei Tagen waren seine Schmerzen vergessen.

Nächster Fall: Eine Krankenschwester bekam abends um 22 Uhr einen Anruf Ihr wurde mitgeteilt, daß sie eine Rechnung mit einem unerwartet hohen Geldbetrag zu bezahlen hätte. Diese Nachricht hat die Schwester völlig durcheinandergebracht. Die ganze folgende Nacht tat sie kein Auge zu und war nur mit ihrem großen Kummer beschäftigt. "Wie soll ich bloß diese Rechnung bezahlen?"

Am nächsten Morgen stand sie mit einem starken und abscheulichen Schnupfen auf. Zunächst begann sie am ganzen Körper zu frösteln. Dann kam aus der Nase eine wässrige und offenbar scharfe Absonderung, denn ihre Nasenlöcher waren nach kurzer Zeit wund. Beim Mittagessen merkte sie in ihrem Mund nicht mal mehr den Unterschied zwischen Kartoffeln und Spinat. Es schmeckte alles gleich. Außerdem war sie schlapp und sehr müde.

Aber als gelernte Krankenschwester wußte sie, was zu tun war.

Sie ging in die nächste Apotheke und kaufte sich ein starkes Schnupfmittel, so wie auch Vitamin C (Ascorbinsäure). In den Tee, den sie trank, gab sie auch eine Messerspitze dieses Pulvers hinein.

Als sich aber nach zwei Tagen das Krankheitsbild überhaupt nichts verändert hatte, suchte sie Hilfe bei einem Homöopathen, weil sie von dem schon manches Gute gehört hatte. Also bat sie ihn um ein homöopathisches Mittel gegen Schnupfen. Aber der entgegnete, daß es leider kein homöopathisches Mittel gegen Schnupfen gebe. Es gäbe nur ein Mittel für ein bestimmtes Krankheitsbild, das von ganz bestimmten Symptomen geprägt sei.

Aus der Sicht des Homöopathen ist ein Krankheitszustand ein ganz bestimmtes Bild, welchem ein entsprechendes Arzneimittel gegenübersteht.

KRANKHEITSBILD und ARZNEIMITTELBILD
müssen sich so ähnlich wie möglich sein! Beispiel: Arnika

Krankheitsbild: wie zerschlagen
Arzneimittelbild: Zerschlagenheit

Krankheitsbild: alle Glieder und Gelenke tun weh
Arzneimittelbild: Gliederschmerzen, Müdigkeit, Unruhe

Krankheitsbild: matt, doch ruhelos immer in Bewegung
Arzneimittelbild: Bewegungsdrang

Krankheitsbild: Puls unregelmäßig
Arzneimittelbild: Kreislaufschwäche

Krankheitsbild: Besser in der Ruhe
Arzneimittelbild: Schlecher durch Bewegung

Krankheitsbild: Schlechter durch Bewegung
Arzneimittelbild: Besser im Liegen

Sofern es gelingt, das dem Krankheitsbild ähnlichste Arzneimittelbild zu finden, ist das Problem gelöst und der Kranke kann geheilt werden.............

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