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Lehrbuch der Homöopathie Band 1 Grundlagen !!Gebraucht!!

von Köhler, Dr. med. 
Vorwort:
Vorwort zur 6. Auflage

Die 1. Auflage des ersten Bandes des Lehrbuches der Homöopathie erschien 1982. Nunmehr kann ich zwölf Jahre später der 6. Auflage mit Dankbarkeit, Freude und Hoffnung das Geleit geben. Die vorangehende Auflage wurde für diesen Neudruck überarbeitet, erweitert und ergänzt. Im Kapitel »Chronische Krankheiten< ergaben sich auf Grund der Erfahrungen in den Weiterbildungskursen für Ärzte einige Änderungen, manches mußte etwas ausführlicher beschrieben werden.
Das Buch entstand ursprünglich aus dem Seminar für homöopathische Medizin, das von der Medizinischen Fachschaft für Studenten der Universität Freiburg angeregt wurde. Als zusätzliches Lernmittel für Vorlesungen fertigte ich Semester nach Semester Skripten an, die sich allmählich zu einem Band zusammenfügten. Auf Drängen meiner Hörer hatte ich mich entschlossen, dieses am Lernerfolg erprobte Material zu einem Buch umzuarbeiten, um so dazu beizutragen, den Dialog zwischen verschiedenen ärztlichen Therapierichtungen zu fördern.
Das wachsende Interesse an der Homöopathie, sowohl in Deutschland als auch in der Welt, zeigt sich auch an der Ausbreitung beider Bände dieses Buches. Inzwischen erschienen Übersetzungen in die italienische (1985), englisch (1986), holländische (1987) und russische Sprache (1989), dazu eine englischsprachige, lizensierte Ausgabe in Indien (New Delhi).
Allen, die am Werk mitgearbeitet haben danke ich herzlich: den Damen und Herren des Verlages und der Druckerei dem Verleger, Herrn Albrecht Hauff und der Cheflektorin, Frau Dorothee Seiz; Frau Ilse Lässig, Freiburg, die auch für diese Auflage gewissenhaft Schreibarbeiten und Korrekturen erledigte; den Lesern und Hörern, die durch ihre Anteilnahme und Kritik manche Verbesserungen angeregt haben.

Freiburg im Breisgau, Frühjahr 1994


Aus Dem Vorwort zur 1. Auflage

Die heutige Ärztegeneration könnte glücklich sein - sie hat so viele Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie wie kaum eine Generation vor ihr.
Die analytisch-naturwissenschaftliche Forschung hat der Medizin Erfolge auf vielen Gebieten gebracht; die technische Perfektion der apparativen Diagnostik und Notfallbehandlung ist beachtlich, Chirurgie und Prothetik geben noch Hilfen, wo früher eine Grenze war. Die Tiefenpsychologie hat uns Einblicke in unbekannte Dimensionen der Seele geschenkt. Die psychosomatische Medizin gibt erste Ansätze zum Begreifen der Wechselbeziehungen von Leib und Seele.
Wir könnten eine glückliche Generation von Ärzten sein bei so vielen Erfolgen! Warum erleben wir trotzdem im täglichen Umgang mit unseren Kranken so oft auch einen Therapie-Notstand? Warum steigt die Zahl der chronisch Kranken - ist dies wirklich nur eine Folge von Zivilisation und erhöhter Lebenserwartung? Warum ist so oft Nutzen und Schaden einer Therapie abzuwägen? Wie sollen Ärzte und Patienten die Gefahren und Kontraindikationen eines Medikamentes abschätzen, die der Hersteller selbst nicht sicher kennt, da sie oft erst nach langer Zeit deutlich werden? Wir erleben in unserer Zeit nicht nur die Gefährdung der natürlichen Umwelt - wir beobachten mit Sorge auch die Rückwirkung auf die Innenwelt des Menschen. Belastungen durch Schadstoffe in der Luft, im Wasser, in der Nahrung, aber auch durch Medikamente sind erkennbar. Das Wort von der »Krise der Medizin« beunruhigt seit einem halben Jahrhundert Ärzte und Patienten. Eine Lösung der Krise ist nur möglich, wenn wir uns zuerst um Erkenntnis der Ursachen dieser Krise bemühen, damit wir gemeinsam handeln können. Diese Ursachen hat Bamm in »Ex ovo« formuliert:
»Die wissenschaftliche Grundlage der Heilkunde ist die experimentelle Biologie. Wir wissen aber nun, daß die experimentelle Biologie zum Gegenstand ihrer Forschung gar nicht das Leben, sondern nur die physikochemischen Bedingungsgrundlagen des Lebens hat. Einer Therapie, die sich ausschließlich auf experimentelle Biologie stützt, sind nur diejenigen Störungen des Lebendigen zugänglich, welche Störungen der physikochemischen Bedingungsgrundlagen des Lebendigen sind. Der Arzt, der vor dem Patienten steht, kommt damit nicht aus.
Die metaphysische Unruhe, die seit einem Menschenalter die Heilkunde bewegt, entspringt der Tatsache, daß die wissenschaftlichen Grundlagen der modernen Medizin von vornherein nicht das umfassen, was die Heilkunde am Krankenbett vor sich hat. Der Arzt hat einen Patienten vor sich, in dessen gestörter Gesundheit die Transzendenz der Person des Patienten mit gestört ist....
Nur eine Heilkunde, die das ganze, entelechial gesteuerte Lebendige in ihre Behandlung einbezieht, hat Aussicht, nicht nur gestörte biologische Funktionen wieder ins gleiche zu bringen, sondern tatsächlich kranke Menschen zu heilen.«
(Bamm, 1956)

Ich zitiere bewußt einen neutralen Zeugen, denn das Wort von der >Krise der Medizin< stammt nicht von der Homöopathie. Es gibt in der Lehrmedizin unserer Zeit genügend sensible Menschen, welche die Unruhe empfinden und nach neuen Wegen Ausschau halten. In dieser Situation sind wir alle aufgerufen, nach erweiterten Therapiemöglichkeiten zu suchen.

Die Homöopathie kann vieles zur Gesamtmedizin beitragen: Sie ist seit 200 Jahren bewährt, sicher und unschädlich. Außerdem erfüllt sie seit ihrem Bestehen die heute so dringlich erhobene Forderung einer Ganzheitsmedizin. Sie behandelt den kranken Menschen in seiner leiblich-seelischen Ganzheit und begreift ihn als handelnde Person, eingefügt in seine konstitutionelle Anlage und mitmenschliche Umwelt, in die Bedingungen und Belastungen seiner Zeit und Biographie. Der kranke Mensch in seiner Individualität und untrennbaren Einheit von Geist, Seele, Leib gibt den Maßstab für die homöopathische Arzneianwendung.
Die verschiedenen Therapieverfahren haben im Rahmen der Gesamtmedizin je nach Situation des Kranken ihr Optimum und ihre Grenzen.
Deshalb sollten in unserer Zeit Streit und Hochmut ein Ende finden durch brüderliches Miteinander. Wir alle sind nur dem Kranken verpflichtet - keiner Ideologie oder einer bestimmten Therapierichtung. Jeder kann von jedem lernen.

Ich denke in Dankbarkeit an meine Hochschullehrer und klinische Ausbildung. Aber keiner darf bei seinem schulischen Ausbildungsstand stehenbleiben. »Wir haben Grund, über die Heilkunde neu nachdenken zu müssen. Die Entwicklung der medizinischen Wissenschaften, der Notstand in der medizinischen Ausbildung, die problematischen Strukturen des Gesundheitswesens sowie wachsende Schwierigkeiten einer sinnvollen medizinischen Praxis sind Gegenstand höchster kritischer Aufmerksamkeit. Der Umgang mit Gesundheit, Krankheit und Leid, mit Not, Hinfälligkeit, Hilflosigkeit und Krise ist geprägt von der Spannung zwischen Handlungsmächtigkeit und Handlungsgrenzen der Heilkunde.« (Seidler, 1979, S. 13)

Wer im täglichen Umgang mit seinen Kranken diese Grenzen erlebt hat, ist aufgerufen, weitere Heilmöglichkeiten zu erlernen. Wir sind um unseres Berufes willen, sogar vom Gesetz, dazu verpflichtet.

Über die verschiedenen Anschauungen und Methoden hinweg können wir unser ärztliches Tun und Wollen prüfen an einem Wort von Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie:

»Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachteiligsten Wege nach deutlich einzusehenden Gründen.« (Org., § 2)

Viele ältere, aber besonders junge Ärzte und Studenten haben erkannt, daß der Therapienotstand und damit auch eine Krise der Medizin überwunden werden kann, wenn wir uns um natürliche Heilverfahren bemühen. Die Weiterbildungskurse für homöopathische Medizin verzeichnen steigende Teilnehmerzahlen. Insbesondere wünschen Medizinstudenten eine Ausbildung. Leider verschließen sich die medizinischen Fakultäten noch weitgehend diesem Wunsche.



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