Großer Fragebogen zur homöopathischen Behandlung
von Eichelberger, Dr. med. Otto
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ledig/verheiratet;
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Zunächst ist es erforderlich einiges über den Zweck des Fragebogens zu sagen und seinen Unifang zu begründen.
Langjährige Erfahrung hat gezeigt, daß ein Fragebogen solcher Art nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang sein darf. In einem Kurzfragebogen können nicht alle diejenigen Fragen untergebracht werden, die unbedingt gestellt werden müssen. Ein bis in alle Einzelheiten ausgearbeiteter Bogen wird dagegen zu umfangreich; das Beantworten wird zu schwierig und das Ergebnis fragwürdig. Einen Kompromiß soll der vorliegende Bogen darstellen. Er ist so gemacht, daß alle Bedingungen erfüllt sind, die an ihn gestellt werden und jeder, der an der Ausfüllung interessiert ist, wird diese Aufgabe bewältigen können; allerdings kann das nicht ,,unter der Hand geschehen"; diese Arbeit muß auf 8 oder 14 Tage verteilt werden.
Diese Art des Abfragens hat u. a. den Vorteil, daß der Patient auf Dinge hingewiesen wird, die er früher einmal gehabt hat und an die er sich beim Durchlesen der Fragen bestimmt erinnert. Denn für die homöopathische Behandlung sind nicht nur die akuten Beschwerden von Bedeutung, sondern auch Störungen und Krankheiten, die früher einmal vorhanden waren. Oft kann nur aus dieser Gesamtheit der Krankenbiographie das heilende Mittel gefunden werden. Die Schulmedizin kennt ein Krankenexamen in dieser Form nicht; dieses ist nur in der Homöopathie bekannt und besonders bei länger bestehenden oder chronischen Krankheiten von großer Bedeutung. Es bezweckt nicht die Klärung einer üblichen medizinischen Diagnose, sondern eine Erleichterung der homöopathischen. Arzneimittelwahl.
Die Krankheitsnamen sind zwar auch für den homöopathischen. Arzt von Wichtigkeit, sie ergeben aber für ihn keinen Hinweis für die Anwendung eines bestimmten Medikaments.
Die Diagnose Angina pectoris allein hilft z. B. bei der homöopathischen. Therapie gar nichts; denn nur aus den genauen Einzelheiten der Beschwerden - die bei keinem Kranken jemals die gleichen sind - und aus allen anderen Störungen seelischer und körperlicher Art, die sich irgendwo sonst noch im Organismus abspielen, kann festgestellt werden, welches Mittel das heilende ist.
Deshalb müssen alle Fragen - wenn sie einwandfrei zutreffen - genau beantwortet werden, auch wenn sie nicht unmittelbar mit den Beschwerden zu tun haben, die Sie am meisten plagen.
Ein Beispiel:
Sie leiden an einer starken Schlaflosigkeit; außerdem an einem hartnäckigen Hautausschlag. Im Grunde wird nur diejenige Arznei die Schlafstörung beheben, die auch zu Ihrer Hauterkrankung einen Bezug hat.
Das klingt zunächst paradox, weil eine Querverbindung, eine gegenseitige Abhängigkeit der beiden Krankheiten nicht gegeben ist. Und doch bewirkt ein gut gewähltes Einzelmittel der Homöopathie die Ausheilung beider Krankheitsprozesse; denn jedes ihrer Medikamente weist zwischen 500 und 3000 Prüfungssymptome vielfältigster Art auf, ist also in der Lage "unzählige", völlig voneinander unabhängige Krankheitszeichen "abzudecken". Der F. B. ist nur dazu da, diese vielen Krankheitszeichen, die ja weit über eine übliche Diagnose hinausgehen, schnell und sicher zu bestimmen.
Die Fragen gehen von folgendem Grundschema aus:
l. 'Wann, d. h. zu welcher Zeit des Tages oder der Nacht treten die Störungen - körperlicher oder seelischer Art oder beides - auf.
Bei vielen Rubriken des Fragebogens ist nach diesem ,,wann" gefragt. Denn wenn bestimmte Zeitumstände auffallend in Erscheinung treten, haben sie große Bedeutung für die Wahl des Mittels; z. B. kann ein Durchfall jedesmal nachts gegen 4 Uhr auftreten; da kommen dann völlig andere Mittel in Betracht als bei einem Durchfall, der den ganzen Tag über anhält, oder bei einem Durchfall, der speziell durch ein fettes Essen ausgelöst wird.
2. Warum, d. h. wodurch treten die Störungen in Erscheinung. Es soll also die Ursache oder die Veranlassung angegeben werden, welche die Störung ausgelöst hat oder auch immer wieder auslöst, also dasjenige, was verschlechtert (Wärme, Kälte, Wetter, Nahrung, Ruhe, Bewegung, Druck, Anstrengung, Aufregung, eine bestimmte Körperhaltung, Verletzungen usw. usw.) bzw. was man nicht tun darf, um keine Verschlimmerung herbeizuführen.
Dazu gehört auch die umgekehrte Situation:
also dasjenige, was die Beschwerden immer deutlich bessert (ohne Medikamente natürlich) bzw. was man sozusagen instinktiv tut, um sich besser zu fühlen.
3. Wie, d. h. in welcher Art und Weise machen sich die Störungen bemerkbar; wie ist die Art der Schmerzen und Empfindungen,
4. Wo speziell treten die Störungen auf; hier ist der Ort, die Körperpartie gemeint und auch die evtl. Ausstrahlung zu einer bestimmten Stelle des Körpers.
5. Manche örtlichen Störungen sind verbunden mit solchen, die sich an einem ganz anderen Teil des Organismus mit abspielen oder auch im seelischen Bereich zusätzliche Veränderungen hervorrufen: z. B.
bei Gallenschmerzen kaltes Schwitzen
bei Kopfschmerzen starker Harnabgang
bei Durchfällen große Schwäche
bei Herzklopfen starkes Angstgefühl
bei Blasenentzündung große seelische Reizbarkeit
bei Magenstörungen auffallendes Verlangen nach Obst usw. usw.
Auch nach solchen Nebenstörungen oder Begleiterscheinungen wird in den folgenden Fragen gesucht; sie sind ebenfalls von großem Wert.
Wenn jedoch solche ganz bestimmten Zeiten, Ursachen, Verschlechterungen, Besserungen, Nebenstörungen,
Empfindungen usw. nicht deutlich vorhanden sind, soll man nicht krampfhaft danach suchen.
Andererseits müssen sie unbedingt angegeben werden wenn sie einwandfrei vorhanden sind, da sie für die Mittelwahl von ausschlaggebender Wichtigkeit sein können.
Hinsichtlich der Beantwortung der Fragen ergeben sich 3 Möglichkeiten:
1. die Frage trifft nicht zu
2. Die Frage trifft einwandfrei zu
3. die Frage stellt sich so, daß man im Zweifel ist, ob man sie mit ja oder mit nein beantworten soll.
Solche letzteren Fragen sind nur von geringer Bedeutung und man kann gegebenenfalls ein Fragezeichen machen. Denn wenn man schon lange überlegen muß, ob man z. B. das feuchte Wetter verträgt oder nicht, beweist das, daß das nichts Auffallendes ist. Ein gutes Symptom für die Auswahl des homöopathischen. Mittels ist ein solches, bei dem man fast spontan und ohne jede lange Überlegung eine präzise Antwort geben kann und fast nur solche Antworten sind von Bedeutung.
Unter diesem Gesichtspunkt ist der Fragebogen verhältnismäßig leicht auszufüllen.
Sehr zweckmäßig ist es, wenn man Angehörige (oder Menschen aus seiner Umgebung) bei der Fragenbeantwortung zu Hilfe nehmen kann; besonders bei den Fragen über seelische Symptome. Manchmal können Angehörige bestimmte Erscheinungen und Verhaltensweisen besser beurteilen als der Patient selber. Es wird nicht zu vermeiden sein, daß sich bei der Beantwortung der Fragen auch einige Fehler einschleichen. Bei der großen Zahl der Fragen spielt das keine entscheidende Rolle.
Je exakter der Fragebogen ausgefüllt wird, desto leichter ist die Mittelwahl; der Patient hat es also bis zu einem gewissen Grade selbst in der Hand, in welchem Maße und in welcher Zeit ihm geholfen werden kann. Gewisse Fragen wiederholen sich aus bestimmten Gründen. Der F. B. unterliegt der Schweigepflicht!
Die zutreffenden Fragen sollen entweder unterstrichen, oder die Antwort auf den dafür freigelassenen Raum geschrieben werden. Auch früher vorhandene Krankheiten oder Störungen müssen - unter den entsprechenden Rubriken - genau verzeichnet werden! Haben Sie Geschwister, Kinder, die an hartnäckigen Krankheiten leiden; "wer an welchen? Gab es früher bei diesen bemerkenswerte Erkrankungen?
Seit wann besteht Ihre eigene Erkrankung? Ist Ihnen die klinische Diagnose bekannt; wie heißt sie ? Gibt es verschiedene Diagnosebilder; z. B. Hautaus schlage, Rheumatismen, Depressionen usw. (bitte angeben welche und jeweils seit wann).
Impfungen: welche wurden durchgeführt; bestand Unverträglichkeit? was geschah und wann?
"Wurden Sie einmal operiert: wo dann: warum und wann damals?
Beschreiben Sie kurz die entsprechenden Krankheitsvorgänge und den Beginn derselben. Die einzelnen Erscheinungen, Beobachtungen und Beschwerden stellen Sie innerhalb der anschließenden Fragenblocks dar. Wem von der Familie sind Sie am ähnlichsten - wenn überhaupt. (Vater, Mutter; wem von den Großeltern?) Verdacht auf Krankheitserreger: von welchen Haustieren sind Sie umgeben? Seit wann; wie war das früher?
Kurzgefaßte Krankengeschichte: ....................................................