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Von der Tarantel gebissen - Erfahrungenmit Arzneien aus Spinnentieren in der homöopathischen Medizin

von Mangialavori, Massimo/Zwemke, Hans 
Vorwort:
Vorwort
Das Gedankengebäude der Homöopathie erlebt einen revolutionären Entwicklungsschritt.
Um die Homöopathie als grundlegend neue Erfahrungswissenschaft einzuführen, bediente sich Samuel Hahnemann zwar meisterhaft der dazu notwendigen Werkzeuge - diese selbst waren jedoch unvollkommen. Sein großer Sprung nach vorn fußte auf drei grundlegenden Prinzipien: 1) die Heilung geht von einer an sich unsichtbaren aber tatsächlich vorhandenen Lebenskraft aus 2) das Naturgesetz der Ähnlichkeit und 3) die Methode der Potenzierung. Wie bei den meisten Wissenschaften bestand die erste Aufgabe darin zu beschreiben, zu benennen und zu ordnen. Am Anfang war es notwendig, durch Prüfungen ein Faktenmaterial zu schaffen, aus dem heraus sich die Materia medica, die Repertorien und später die Computerprogramme entwickelten. Zweihundert Jahre der Geschichte haben seither nur wenig substantielle Weiterentwicklung gesehen. Mittlerweile haben aber kulturelle Veränderungen historischen Ausmaßes das Gesundheitswesen gravierend verändert. Die Explosion der Bevölkerung, die Verstädterung, das Verkehrswesen mit Automobilen und Flugzeugen, das Fernsehen und die allgemeine Kommerzialisierung des Lebens sowie die Veränderungen der Umwelt haben alle dazu beigetragen, dass sich die chronischen Krankheiten vermehrt haben. Die Antibiotika scheinen vielen bakteriell verursachten Krankheiten ihren Schrecken genommen zu haben. Die meisten Patienten nehmen zahlreiche stark wirksame Medikamente. Die Probleme, denen wir uns heute in der Praxis gegenübersehen, unterscheiden sich sehr von denjenigen, mit denen Hahnemann konfrontiert war. Hinzu kommt, dass sich die kulturelle Wahrnehmung des Kontextes körperlicher und seelisch/geistiger Symptome seit der Entwicklung der Psychologie und der Psychoanalyse verändert hat. Die sprachlichen Ausdrucksformen der Patienten und Prüfer haben sich ebenfalls verändert. Studierende und Therapeuten sind geradezu überwäl-
tigt von der schieren Flut an Daten, die sie lernen müssen, um wenigstens die Anfangsgründe einer Kompetenz zu erlangen. Vor zwei Jahrhunderten war es möglich mit 100 Arzneimitteln zu praktizieren. Heutzutage verführt uns alleine schon die Komplexität selbst dazu, weiterhin innerhalb dieses Spektrums von Arzneien zu verbleiben. Aber das ist natürlich ganz unvernünftig. Denn da unsere Patienten als Individuen einzigartig sind, sollten wir uns da nicht auch veranlasst sehen, Tausende von Arzneien zu benutzen? Wie soll man aber mit dieser Datenflut fertig werden? Beschäftigen sie sich mit Massimo Mangialavo-ri! Unter den heutigen revolutionären Denkern liefert er die klarste, empirischste und wissenschaftlichste Methode, um die Homöopathie zu modernisieren. Arbeitsaufwendig wie dieser Prozess sein muss, bietet Massimo Richtlinien und Kriterien an, wie man unsere Werkzeuge vervollkommnen kann, ohne den Boden der Wissenschaftlichkeit zu verlassen. "Über die Autoren" ist in dieser Hinsicht ein faszinierendes Kapitel. Beide Autoren beschreiben ihre persönliche Entwicklung von naturwissenschaftlich ausgebildeten Ärzten über schamanistische oder psychologische Erfahrungen hin zu einer traditionellen homöopathischen Ausbildung. Ich bin sicher, dass sich die meisten Leser mit ihren Geschichten identifizieren werden, ihren Frustrationen über die Ausbildung alten Stils und ihrer Begeisterung für die Möglichkeiten in der Zukunft, wie sie von Massimo beschrieben werden. Wenn es wirklich eine Revolution gibt, die ein neues Zeitalter in der Homöopathie ankündigt, dann ist dieses Buch ihr Manifest - eine klare Darstellung eines neuartigen Denkens. Ganz besonders möchte ich die Aufmerksamkeit der Leser auf die "Einführung" richten. Sie ist sorgfältig und tiefgründig durchdacht geschrieben. Es ist die vollständigste Beschreibung einer neuartigen Homöopathie, die bisher publiziert wurde. Ich empfehle Ihnen, es sich für einige ruhige Stunden in einem Sessel bequem zu machen, um sich ausschließlich in die Implikationen dieses Kapitels zu vertiefen! Es wird ihren Zugang zur Homöopathie verändern. Die Prinzipien, die die Einführung beleuchtet, werden dann im Teil I des Buches auf eine gute Weise veranschaulicht. Im Kontrast zu der trockenen Katalogisierung von Symptomen
wie man sie in Prüfungen sieht, erweitert dieser Ansatz unser Verständnis der Arzneien aus weiteren wichtigen Quellen - der Mythologie, Kulturanthropologie, Zoologie und Toxikologie. Glücklicherweise kommen bei diesen Erkundungen keine wirklichen "Schlüsselsymptome" heraus. Stattdessen versorgen uns komplexe und analoge Konzepte mit einem reichhaltigeren, fruchtbareren Weg zurück zu den Arzneien. Teil II veranschaulicht auf wunderschöne Weise, wie wertvoll es sein kann, eine Materia medica durch tatsächlich geheilte Fälle zu schaffen, gut aufgenommen, modern, gut beschrieben, die Worte der Patienten benutzend. Homöopathen leben verständlicherweise von Geschichten. Für mich vermenschlichen sie die Arznei, bleiben dadurch besser im Gedächtnis und liefern ein Muster für Fälle, die ich gerade bearbeite. Zusammenfassend ist das Buch viel mehr als eine Materia medica über Spinnen. Es ist nicht irgendein Nachschlagebuch, das Staub zusammenkehrt. Es präsentier eine in sich geschlossene Art zu denken und wahrzunehmen. Jede Arznei wird ganzheitlich und eindringlich als eine lebendige "Persönlichkeit" verstanden. Repertorien werden auf diese Weise nicht zusammengestellt, doch sind derart dokumentierte Fälle fast noch nützlicher für die Praxis. Der Maßstab für jede Form der Lehre ist ihr Nutzen für die praktische Arbeit in der Realität. Seitdem ich vor einigen Jahren Massimos Seminar über die Spinnen gehört habe, verdoppelten sich meine Erfahrungen, so wie es Hans beschrieben hat. Ich fand mich dabei wieder, wie ich jede Menge Spinnenmittel verschrieb, am Anfang nicht immer erfolgreich, doch schnell erzielte ich tief greifende und verlässliche Ergebnisse. Mein Verständnis vertiefte sich durch die Schilderungen der Patienten von ihrer Heilung. Das Studium geheilter Fälle lässt das Ähnlichkeitsgesetz lebendig werden. Anders als durch das bloße Abgleichen von Daten nach der Mode der Computerrepertorisation, bringen wir dadurch im Grunde Menschen in Übereinstimmung - die Bewältigungsstrategien des einen mit denen des anderen - validiert durch die Heilung, bewirkt durch eine Arznei, bereichert um die Informationen des Kontextes. Für mich ist das ein lebendigerer, menschlicherer und befriedigenderer Vorgang.
Bill Gray, MD, Saratoga, CA

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