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Miasmatische Schriftenreihe: Nr. 6 Die miasmatischen Gesetze - 3. überarbeitete und erweiterte Auflage 2010

von Gienow, Peter 
Vorwort:
Heilkunst ist zwischen Diesseits und Jenseits aufgespannt, zwischen Gefühl und Intellekt, zwischen Heiler und zu Heilendem. so widersprüchlich diese vermeintlichen Positionen oder Zustände auch zu sein scheinen, um so erstaunlicher ist, dass sie alle aus einer gemeinsamen Basis entspringen. Wie die alten Kulturen behaupten, entspringt alles der Einheit, GOTT.
Krankheit, so sagen manche Menschen, sei daher ein gottferner Zustand, manchmal erscheint er uns jedoch Gott viel näher zu sein, als unsere scheinbare Gesundheit. Ganz im Gegenteil wirkt manchmal gerade die Krankheit als ein Schnellweg zu Gott. Dass dies nicht nur in unserer heutigen Zeit so ist, sondern auch in früheren Zeiten so war, erkennen wir daran, dass in vielen Kulturen der Heiler auch gleichzeitig Priester war und ist, die Heilerin auch gleichzeitig Priesterin.
Das macht auch heute noch viel Sinn, da Krankheit nicht nur in Einzelfällen eine Verletzung göttlicher Gesetze darstellt, gemeint sind nicht die zehn Gebote allein, sondern die konstituierenden Kräfte unseres Da-Seins überhaupt. Einige dieser Verletzungen bekommen ein Gepräge, das wir miasmatisch nennen können.
Um zu verstehen, wie solch eine Verletzung erfolgen kann, erscheint es daher sinnvoll, sich noch einmal mit den Gesetzen unserer Schöpfung zu beschäftigen, um zu erkennen, was wir als heiler tun können, um diesen Gesetzesbruch zu korrigieren. Verzeihen Sie mir daher, dass ich wie sooft mit dem Ur-Grund unseres Da-Seins beginne, da ich glaube, dass auf diese Weise vieles klarer werden kann.
Viele miasmatische Schulen beginnen die Reise nicht an diesem Punkt sondern beobachten die Wirkung der Miasmen erst später. So ist das ALLENSCHE Modell aus der Beobachtung der tatsächlichen Krankheitszustände seiner Zeit und ihrem Symptomenvergleich entstanden. HAHNEMANNS Modell hatte, auch wenn es oft verneint wird, nicht nur ein praktisches, sondern auch ein philosophisches Gepräge, denn für ihn beginnt Krankheit in einer Verstimmung der Lebenskraft, die nicht materiell gesehen werden kann. Je nach Blickpunkt kommen Miasmatiker daher zu unterschiedlichen Ergebnissen, die je nalch Standpunkt unterschiedliche Ergebnissen zeitigen.
Es ist ein Unterschied, ob man die miasmatische Reise mit der Zelle startet oder den Ur-Sprung der Miasmatik in die Ur-Schöpfung vor Zeit und Raum setzt. Es ist ein Unterschied, ob man die Miasmatik als Störung der Trennung von Gott betrachtet, als Ur-Sünde, oder als Störung der Embryologie.
Aus ihrer Perspektive heraus sind alle Erkenntnisse richtig und wichtig, wenn wir in der Lage sind, ihnen den gemäßen Stellenwert zuzuordnen. Aus diesem Grunde haben wir in dieser Schrift auch die Erkenntnisse anderer Autoren aufgegriffen, da sie die Sicht auf die Miasmatik bereichern.
Durch zwei kurze Beispiele möchte ich Ihnen beschreiben, welche Wirkung unterschiedliche Perspektiven auf die Wahrnehmung der Miasmatik haben können. In Erinnerung geblieben ist mir die Geschichte eines hoch angesehenen Miasmatikers, der vehement in einem Artikel bestritt, das Lepra-Modell der Heilung, je in seiner Praxis gesehen zu haben, nur um zwei Zeilen später einen Fall zu präsentieren, der exakt nach dem Lepra-Modell der Heilung verlief.
Ein anderer Miasmatiker erzählte mir, dass er Erkrankungen mit einem Mittel heilen könne, obwohl wir behauptet haben, sie würden nach dem Lepra-Modell der Heilung ausheilen. Auf die Frage, ob er mir ein Beispiel nennen könne, erzählte er mir die Heilung einer rheumatischen Krankheit, die wir der Sykose zuordnen würden, mit einem Mittel. Er gab der Patientin Ledum und die Erkrankung heilte binnen 6 Wochen komplett aus. Kein weiteres Mittel wäre notwendig gewesen. Ich fragte, was mit der Patientin danach geschehen sei. Er erzählte, dass sie einen trockenen Husten entwickelt hätte, ihre bekannte Allergie, die er mit Pulsatilla behandelt hätte. Danach wären Hauterscheinungen aufgetreten, die er mit Sulphur behandelt hätte. Seither gäbe es keine Verschreibung mehr.
Sie sehen vielleicht das Problem an dieser Geschichte. Für den Homöopathen war mit dem Verschwinden der rheumatischen Symptome auch die Erkrankung geheilt. Die Allergie gehörte, seiner Meinung nach, genau so wenig zum Rheuma, wie der nachfolgende Hautausschlag.
Für unser Verständnis aber war die Heilung der Erkrankung eine Reise durch das Lepra-Modell der Heilung. Das Rheuma ( Sykose ) wich der Allergie ( Tuberkulinie ), die sich über den Hautausschlag ( Psora ) ausheilte.
Sie sehen anhand dieser Geschichten, dass unterschiedliche Perspektiven zu unterschiedlichen Erkenntnissen führen.
Das gilt leider auch für die Einteilung der Miasmatik. Für uns gibt es nur ein drei-miasmatisches Mittel, und das ist der "Stein der Weisen". Alle anderen Arzneien erfüllen unsere Grundvoraussetzungen nicht. Ein Mittel wird für uns erst dann zu einem sykotischen Mittel, wenn es die Sykose behandeln kann und tuberkuline Heilreaktionen produziert. Ein tuberkulines Mittel erst dann zu einem Tuberkulinum, wenn es die Tuberkulinie auheilen kann und psorische Heilreaktionen produziert.
Sie sehen, wie sehr die unterschiedlichen Schulen vom Spiel der Perspektive geprägt sind. Welche der Schulen Ihr Verständnis trifft, können nur Sie für sich entscheiden, alle miasmatischen Schulten halten wir für wahr.
Es gab einmal einen Heiligen, der es nicht ertragen konnte, dass alle spirituellen Schulen von sich behaupteten der einzige Weg zur Erleuchtung zu sein. Also ging er den Weg seiner Religion bis zur Erleuchtung. Danach wechselte er die Religion, und ging auch dort den Weg zur Erleuchtung, dann wechselte er die Religion...
Sein Name war RAMAKRISHNA.
Nachdem er in allen großen Religionen zur Erleuchtung gekommen war, nahm er sich der größten Herausforderung an: Er versuchte herauszufinden, warum in so vielen Religionen die Frau von der Erleuchtung ausgespart wurde. Er wandelte sich also zur Frau, bekam Brüste, begann zu menstuieren, und - wurde erleuchtet.
Sein Leben hat auf eindrückliche Weise bewiesen, dass jeder spirituelle Weg zur Erleuchtung führen kann, so lehrt das dynamisch-miasmatische Modell, dass jeder miasmatische Ansatz zur Heilung führen kann.
Das ist insbesondere aus dem Grunde wichtig, das das dynamisch-miasmatische Modell eine Art Übersetzungsprogramm für viele verschiedene Schulen darstellt. Es umfasst nicht nur die Miasmatik der Homöopathie, sondernn auch die Miasmatik der Elektro-Homöopathie und Alchemie, um nur einige Beispiele zu nennen. Auch die miasmatischen Erkenntnisse aus diesen Anschauungen werden uns in dieser Schriftenreihe beschäftigen, sofern unsere Zeit das erlaubt.
Bevor wir uns auf die Reise in die Welt der homöopathisch-miasmatischen Gesetze machen, noch ein kurzer Rückblick auf das, was wir bisher erarbeitet haben. Schauen Sie sich bitte die unten stehende Tabelle an, wir werden im Laufe dieses Buches häufiger darauf zurückgreifen.

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