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Lebendige Homöopathie Homöopathie - Ernährung - Wasseranwendung

von Zippermayr, Dr. rer. nat. Philipp 
Vorwort:
Vorwort
In den jeweiligen Epochen der Menschheitsgeschichte entschied stets das Weltbild der Menschen, was Krankheit eigentlich sei und wie man sie behandeln müsse,
In altertümlichen Kulturen wird die Welt von Geistern und Dämonen beherrscht. Die Menschen damals betrachteten Krankheit als Folge ihres negativen Einflusses oder gar eines von ihnen Besessen-Seins. Die Therapie der Medizinmänner und Schamanen musste folglich eine der Geisterbeschwörung sein. Seit dreihundert Jahren wird der Mensch in der westlichen Welt als Maschine betrachtet. Die Therapie der heutigen Medizin setzt daher an chemischen und mechanischen Abläufen an und nimmt technische Eingriffe in Form von Medikamenten, Operationen oder Verhaltenstraining vor. Die Frage, warum der Chemismus des Körpers nicht so funktioniert, wie er sollte, wird mit Infektionen, Vergiftung, mangelhafter Qualität oder Verschleiß erklärt. Bei der Behandlung chronischer Erkrankung begnügt man sich daher mit der Linderung der Symptome, was die ständige Einnahme von Medikamenten erfordert.
Das vorliegende Buch folgt meinem Weg in die Homöopathie, der etwa 1991 begann. Nicht sogleich, aber Schritt für Schritt erschloss sich mir ein neues, beglückendes Weltbild. Das ist ungewöhnlich, denn wie die traditionelle Wissenschaft ist auch Homöopathie Erfahrungswissenschaft. Die Schwierigkeiten mit der Vielfalt der Detailerkenntnisse erlauben dem traditionellen Wissenschaftler üblicherweise nur das Gefühl der Ratlosigkeit, das er experimentierend zu lindern trachtet. Glücksgefühle erwachsen ihm zumeist nur aus einem Gelingen einzelner dieser Experimente, nicht aber aus dem gewonnenen Weltbild. Stets erhält er nur Einblicke in Details nicht aber in den tieferen Sinn des Ganzen. Im Gegenteil, die vertiefte Detailkenntnis vertieft sogar den Eindruck völliger Sinnlosigkeit.
Die Homöopathie lehnt Detailkenntnis nicht ab, zeigt aber, dass die eigentliche Schwierigkeit die richtige Deutung ist. Was nützen winzige Ausschnitte, wenn man das Bild, von dem sie stammen, nicht versteht. In der Kunst ist die Bedeutung des Kunstwerks das Eigentliche nicht das Dargestellte.
Nicht anders ist es mit lebendigen Körpern, deren Krankheiten als zentrale Lebensprobleme erkannt und ursächlich verstanden sein wollen.
Die Diagnose darf sich daher von Funktionsschwächen einzelner Organe nicht vereinnahmen lassen. Es geht um die Zusammenschau. Die Frage lautet, wann und mit welchem Ereignis hat das Problem begonnen, welche psychische Empfindlichkeit spiegelt sich in den Symptomen. Homöopathie ist lebendig, weil sie den Zustand der einzelnen Organe als Ausdruck der Lebenssituation des Betroffenen betrachtet. Die Bedeutung richtiger Ernährung tritt so hinter die des seelischen Gleichgewichts zurück. Der technische Aspekt der Stoffwechselstörung (gestörten Nahrungsmittelverwertung) wird von der Frage, warum, abgelöst.
Die Ursache der Stoffwechselstörung findet sich demnach primär in der seelischen Verstimmtheit und erst sekundär in einer verfehlten Ernährung. Das eine ist mit dem anderen eng verbunden, haben doch die Gißabfälle des Stoffwechsels in Rückständen ungelöster psychischer Problemstellungen ihre Entsprechung.
Das heißt, es ist kein zufälliger Defekt, wenn bestimmte Organe erkranken, sondern Ausdruck der Situation so wie der Reaktion des Betroffenen. Sehr aufschlussreiche Hinweise finden sich im Buch von Dethlefsen, Dahlke, "Krankheit als Weg". Die Auseinandersetzung mit der Botschaft der Krankheit zeigt, Organe erkranken nicht zufällig, sondern übermitteln sie.
So äußern sich zum Beispiel Herzensangelegenheiten primär in einer Erkrankung des Herzens und nicht als Erkrankung beliebiger anderer Organe. Macht man sich diesen Zusammenhang bewusst, erleichtert es die Suche nach den für die Krankheit typischen Symptomen und damit dem zum Kranken passenden homöopathischen Mittel.
Dieses Buch soll helfen, die Verbindung zwischen der Symbolik der Krankheiten und den Beschreibungen der homöopathischen Mittel (Arzneimittelbilder) zu sehen. So steht hinter Ohrproblemen häufig die Neigung, nicht hören, nichts aufnehmen, nicht gehorchen zu wollen. Dies bedeutet, dass sich die eigentliche Krankheitsursache in einer Abwehrhaltung findet, die eine Unzufriedenheit mit der Lebenssituation signalisiert.
Nicht die Kälte ist die entscheidende Ursache für eine Verkühlung, sondern die Empfindlichkeit des Kranken für Kälte. Kälte ist oft Zeichen fehlender Geborgenheit und kann daher unbewusst das Gefühl des Verlassen-Seins, Ausgesetzt-Seins wecken. Dieses Gefühl wiederum kann im betroffenen Organ Schmerz hervorrufen. Ist es das Ohr, liegt der Auslöser für das Verlassenheitsgefühl möglicherweise im Gefühl, ständig kritisiert aber nicht angenommen zu sein: man empfindet die Eltern, den Partner als ablehnend und mag ihre Kommentare daher nicht mehr hören. Das Ohr verweist so auf den Lebenskonflikt, der sich in seiner Kälteempfindlichkeit spiegelt. Das passende homöopathische Mittel sollte diese Geschichte nacherzählen können.
Das vorliegende Buch ist daher auch eine Sammlung von über 150 Kurzgeschichten. Auf wenigen Zeilen werden die zentralen Motive von über 150 homöopathischen Mitteln beschrieben. Sie setzen sich aus der emotionalen Haltung und der durch sie bedingten Reaktionsweise zusammen. Bei Cantharis ist diese Haltung unkontrollierte Triebhaftigkeit oder am gegensätzlichen Pol, normale Triebhaftigkeit gepaart mit Gewissensangst. Die Reaktion (Pathologie) tritt ein, wenn diese Haltung wegen des gesellschaftlichen äußerlichen oder des eigenen innerlichen Normenkorsetts zurückgehalten werden muss.
Diese kurzgefassten Motive erleichtern wesentlich die Verknüpfung von Arzneimitteln und Krankheitsgeschehen, dessen seelische Symbolik in den einzelnen Kapiteln dargelegt wird.

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