Die chronischen Krankheiten - Ihre eigentümliche Natur und homöopathische Heilung, 5 Bände - AKTIONSPREIS 99,95 statt 159,95 - Sie sparen 37%!
von Hahnemann, Dr. med. Samuel
Leseprobe:
Natur der chronischen Krankheiten
Bisher erwies überall die treu befolgte, homöopathische Heilkunst, wie sie in meinen und meiner Schüler Schriften gelehrt worden war, ihren natürlichen Vorzug vor jedem allöopathischen Verfahren bei allen die Menschen nicht nur schnell befallenden (akuten) Krankheiten, sondern auch bei den epidemischen Seuchen und sporadischen Fiebern sehr entschieden und auffallend.
Die venerischen Krankheiten wurden von der Homöopathie ebenfalls weit sicherer, unbeschwerlicher und ohne Nachwehen gründlich geheilt, indem sie, ohne die örtlich entstandenen Übel weder zu stören noch zu zerstören, das innere Grundübel durch das beste specifische Mittel einzig von innen vernichtete und heilte.
Aber die Zahl der übrigen langwierigen Krankheiten auf der weiten Erde war ungleich größer, ja ungeheuer groß, und blieb es. Ihre Behandlung durch die bisherigen allöopathischen Aerzte diente bloß zur Erhöhung der Plagen dieser Art Kranken; denn es ward von ihnen mit aller der Menge ekelhafter Gemische, aus heftigen Arznei-Substanzen in großen Gaben vom Apotheker zusammengesetzt, deren einzelne wahre Wirkung ihnen unbekannt war, mit allen den vielerlei Bädern, den Schweiß oder Speichel in Menge hervortreibenden, den (schmerzstillenden?) Betäubungsmitteln, den Klystiren, den Einreibungen, Blähungen, Räucherungen, den Ziehpflastern, Exutorien, Fontanellen, vorzüglich aber den ewigen Laxanzen, Blutegeln, Blutabzapfungen und Hungerkuren, oder wie die, gewöhnlich der Mode folgenden, medicinischen Qualen sonst noch alle heißen mögen, theils das Uebel ärger gemacht und die Lebenskraft, allen Zwischengebrauchs angeblicher Stärkungsmittel ungeachtet, mehr und mehr vermindert, theils, wenn eine auffallende Aenderung von ihnen bewirkt worden war, statt des bisherigen Leidens ein anderer, schlimmerer krankhafter Zustand, namenlose Arznei-Krankheiten (ungleich schlimmere, unheilbarere als die anfängliche natürliche) herbeigeführt unter der Tröstung des Arztes: "die alte Krankheit habe er glücklich behoben; es sey zwar Schade, daß sich eine neue (?) Krankheit zeige, er hoffe aber, mit deren Besiegung eben so glücklich fertig zu werden, wie mit der erstem." - Und so ging es dann, unter Abänderung der Formen desselben Uebels und unter Zusatz neuer, von den unrechten, schädlichen Arzneien erzeugten Uebel, in der Steigerung der Leiden des Kranken fort, bis mit dem letzten Athemzuge auch die Klagen des Bedauernswürdigen auf immer verhallten und die Angehörigen mit der tröstlichen Vorspiegelung beschwichtigt werden: "es sey doch nun alles Erdenkliche bei dem Verblichenen gebraucht und angewendet worden."
Nicht so die große Gabe Gottes, die Homöopathie!
Selbst in diesen übrigen Arten chronischer Krankheiten leisteten ihre Jünger - wenn sie den Kranken nicht schon zu sehr durch allöopathische Kuren (wie doch leider so oft, im Fall etwas Geld an ihm zu verdienen gewesen) verderbt und zu Grunde gerichtet fanden - unter Befolgung dessen, was meine bisherigen Schriften und meine ehemaligen mündlichen Vorträge hiervon lehrten, doch bei weitem mehr, als alle bisherigen sogenannten Kurarten.
Nach dieser naturgemäßem Handlungsweise konnten sie den gegenwärtigen, chronischen Leidenszustand, welchen sie nach allen sinnlich wahrnehmbaren Symptomen ausgeforscht vor sich liegen hatten, mit dem unermüdet aufgesuchten, unter den bisher auf ihre reine, wahre Wirkung geprüften, am meisten passenden, homöopathischen Mittel in der kleinsten Gabe (ohne Beraubung des Kranken an Säften und Kräften, wie die Allöopathie der gewöhnlichen Aerzte) in oft kurzer Zeit beseitigen, so daß der Kranke gebessert wieder frohe Lebenstage genießen konnte - Besserungen, welche alles, was je die Allöopathie in seltenen Fällen durch einen Glücksgriff in die Arzneibüchsen irgend einmal erreicht hatte, immer noch bei weitem übertraf. Die Beschwerden wichen durch eine sehr kleine Gabe desjenigen Arzneimittels, welches die gegenwärtige Reihe von Krankheitszufällen am gesunden Menschen ähnlich hervorbringen zu können, schon erwiesen hatte, großentheils, und wenn das Uebel nicht gar zu alt, nicht in hohem Grade und nicht zu sehr allöopathisch verderbt war, oft auf eine geraume Zeit, so daß die Menschheit schon ob dieser Hülfe sich glücklich preisen konnte und, nicht selten, wirklich pries. Der so Behandelte konnte sich ziemlich für gesund halten und hielt sich selbst nicht selten dafür, wenn er seinen nunmehrigen, gebesserten Zustand billig beurtheilte und ihn mit dem weit leidvollern vor der homöopathischen Hülfe in Vergleichung stellte. *)
(* Von dieser Art waren die Heilungen von Krankheit aus nicht vollkommen entwickelter Psora, die durch gute Behandlung von meinen Schülern mit Mitteln, die nicht zu den später für Haupt-Antipsorika sich er nicht bekannt waren, sondern nur mit solchen, welche die vorhandenen mäßigen Symptome homöopathisch bestens deckten und vor der Hand beseitigten, wodurch eine Art Heilung bewerkstelligt ward, welche die auftauchende Psora wieder in ihren latenten Zustand zurückbrachte und so eine Art Wohlbefinden vorzüglich bei jungen, kräftigen Personen erzielte, was jeder nicht genau forschende Beobachter für wahre Gesundheit halten mußte, oft von vieljährigcr Dauer. Aber bei chronischen Krankheiten von schon völlig entwickelter Psora reichten die damals nur bekannten Arzneien zur vollständigen Heilung nie hin, so wenig als sie jetzt noch hinreichen.)
Doch oft schon etwas grobe Diätsünden, eine Verkältung, der Zutritt einer vorzüglich rauhen, naßkalten oder stürmischen Witterung, so wie der (auch noch so milde) Herbst, besonders aber der Winter und der winterliche Frühling, dann eine heftige Anstrengung des Körpers oder Geistes, besonders aber die Gesundheits-Erschütterung durch eine äußere, große Beschädigung oder ein sehr trauriges, das Gemüth beugendes Ereigniß, öfterer Schreck, großer Gram und Kummer und anhaltende Aergerniß brachten oft, (wenn die anscheinend geheilte Krankheit eine schon weiter entwickelte Psora zum Grunde gehabt hatte, oder) bei einem geschwächten Körper, gar bald wieder das eine oder mehre der schon besiegt geschienenen Leiden, auch wohl mit einigen ganz neuen Zufällen verschlimmert, hervor, welche, wo nicht bedenklicher, als die vordem homöopathisch beseitigten, doch oft eben so beschwerlich und nun hartnäckiger waren. In letzterm Falle gab der homöopathische Arzt das nunmehr hier, als gegen eine neue Krankheit gerichtete, unter den gekannten am meisten passende Arzneimittel natürlich wieder mit ziemlichem Erfolge, welcher den Kranken abermal in einen bessern Zustand vor der Hand versetzte. Im erstem Falle hingegen, wo bloß die schon getilgt geschienenen Beschwerden sich, nach oben erwähnten Veranlassungen, wieder erneuerten, half das zum ersten Male dienlich gewesene Mittel doch weit weniger. Dann kamen wohl gar unter der Wirkung des angemessenst geschienenen homöopathischen Arzneimittels, selbst bei untadelhafter Lebensweise des Kranken, neue Krankheits-Symptome hinzu, welche mit andern möglichst passenden Arzneien doch nur dürftig und unvollkommen beseitigt werden konnten - auch wohl gar nicht gebessert wurden, wenn obgedachte widrige Ereignisse von außen die Besserung hinderten.