Gesamte Arzneimittellehre - 3 Bände
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von S. Hahnemann
Vorwort:
Denn in der Hast unseres Daseins und der davon unzertrennlichen, immer wachsenden Virtuosität im Vergessen, wird es jeden Tag aufs neue wahr:
dass das Älteste das Neueste ist.
Theodor Fontäne
Die Arzneimittellehre Samuel Hahnemanns zählt zweifellos zum Kanon der homöopathischen Literatur. Auch nach zwei Jahrhunderten gelten Hahnemanns Arzneidarstellungen als wesentliche Grundlage der modernen homöopathischen Materia medica. Zahlreiche, häufig verwendete Arzneimittel wie Sulphur, Lycopodium oder Pulsatilla sind hier bereits in ihrer grundlegenden Symptomatologie hervorragend erfasst worden.
Die Stärken liegen auf der Hand: Die Ergebnisse der von Hahnemann durchgeführten Arzneimittelprüfungen verdienen bis heute die höchste Anerkennung. Die Zahl der veröffentlichten Arzneien, insgesamt etwa 120, ist immens. Viele andere Substanzen sind in der Geschichte der Homöopathie geprüft worden, aber nur die wenigsten davon entwickelten sich zu so wichtigen Arzneien wie diejenigen in Hahnemanns Arzneimittellehren. Hier finden wir die originären Prüflingsergebnisse der meisten noch heute täglich und mit Erfolg eingesetzten Arzneimittel.
Jeder, der sich intensiv mit Hahnemanns Arzneimittellehre auseinandergesetzt hat, weiß allerdings auch um deren Schwächen: Hahnemanns Arzneimittellehre ist kein Werk aus einem GUSS. Verschiedene Gründe, deren publikationshistorische Details weiter unten erörtert werden, führten dazu, dass die Arzneien manchmal nach lateinischer Nomenklatur benannt sind, manchmal nach deutscher; manchmal sind sie alphabetisch geordnet, manchmal nicht; manchmal stehen die Gemütssymptome am Ende, manchmal zu Beginn; manchmal sind die Beobachtungen anderer Prüfer getrennt aufgeführt, manchmal nicht. Schließlich finden sich manche Arzneien in der Reinen Arzneimittellehre, manche in den Chronischen Krankheiten, einige wenige in beiden Werken und wiederum andere nur in kleineren Zeitschriftenbeiträgen oder in der ersten Arzneimittellehre Hahnemanns, den 1805 auf lateinisch erschienenen Fragmente de viribus medicamentorum.
Die Neuherausgabe und Überarbeitung von Hahnemanns Arzneimittellehre soll daher in erster Linie leserfreundlicher und praxisnäher als die bisherigen Ausgaben sein. Die Originalwerke sollen für den Praxisalltag erschlossen werden, ohne dass von ihrer Originalität etwas verloren geht. Jede Änderung wurde so behutsam wie möglich vorgenommen. Kein Symptom wurde weggelassen, kein Symptom im Wortlaut verändert, lediglich eindeutige Rechtschreibfehler wurden korrigiert. Auch die Originalstellung eines jeden Symptoms bleibt nachvollziehbar, ohne dass übertriebene editorische Akribie den Textfluss stören würde. Die Gesamte Arzneimittellehre orientiert sich in Aufbau und Detailtreue somit an den Bedürfnissen des Praktikers.
Was wurde anders gemacht im Vergleich zu Hahnemanns bisherigen Arzneimittellehren? Alle in der Gesamten Arzneimittellehre vorgenommenen Änderungen orientieren sich an Hahnemanns Darstellung der Arzneien in seiner letzten Arzneimittellehre, den Chronischen Krankheiten. Dieses Schema, das Hahnemann am Ende seines Lebens nach jahrelangem Experimentieren favorisierte, wurde als Richtschnur an alle Arzneien angelegt. Die wesentlichen Punkte, in denen sich die Gesamte Arzneimittel/ehre von den bisherigen Ausgaben unterscheidet, sind im Folgenden genannt (Details finden sich in den Editionsrichtlinien):
- Sammlung aller von Hahnemann geprüften und veröffentlichten Arzneien in einer einzigen Ausgabe.
- Verwendung der lateinischen, in der Homöopathie heute gebräuchlichen Nomenklatur.
- Alphabetische Ordnung der Arzneien.
- Einheitliche Stellung der Gemütssymptome.
- Integration der "Beobachtungen Andrer" in ein einziges Kopf-zu-Fuß-Schema.
- Kennzeichnung des jeweils ersten Symptoms der "Beobachtungen Andrer" mit einer Raute.
- Einfügung einer Gliederung zur rascheren Orientierung.
- Einfügung von Querverweisen auf andere Rubriken.
- Synoptische Darstellung der Arzneien, die sowohl in der Reinen Arzneimittelehre als auch in den Chronischen Krankheiten angeführt sind.
- Weglassen der theoretischen Abhandlungen der einzelnen Bände.
Die vorliegende Neubearbeitung wäre nicht ohne eine hervorragende Zusammenarbeit zwischen Verlag und Herausgebern möglich gewesen. Unser Dank golt daher den Mitarbeitern des Haug Verlages, insbesondere Frau Gabriele Müller, Frau Ulrike Marquardt und Herrn Dr. Sverre Klemp, für die allzeit gute und unkomplizierte Zusammenarbeit sowie für die Idee und den Mut, Hahnemanns Arzneimittellehre in dieser neuen Form zu veröffentlichen.
Unsere Bewunderung gilt Samuel Hahnemann. Hinter jeder Zeile, hinter jedem einzelnen Symptom spürt man seinen Willen, die Heilkunst zum Wohle der Kranken zu verbessern. Wir hoffen daher, Hahnemanns Arzneimittellehre in seinem Sinne weiterentwickelt und für den Praxisalltag noch besser nutzbar gemacht zu haben.
München und Stade, im Winter 2006
Christian Lucae und Matthias Wischner