Leitsymptome homöopathischer Arzneimittel
von Allen, H.C.
Vorwort:
Im Zuge der Überarbeitung der ersten Auflage dieses Werkes zur Vorbereitung einer zweiten fiel auf, daß an manchen Stellen des englischen Originaltextes unerklärliche, unbekannte Symptome zu finden waren, so z.B. unter Tarantula"...choleric affections, where wohle body, or right arm and left leg are affected ...".
Der Begriff "choleric affection" ergibt in seinem Textzusammenhang keinen Sinn und ist auch vom Englischen
her ungewöhnlich. Daher wurde nun versucht, auf die Quelle des fraglichen Symptoms zurückzugehen.
Im Falle des Beispiels stellte sich heraus, daß sich der gesamte Absatz auf die von Allen meistbenutzte Sekundärquelle, nämlich auf Herings "Guiding Symptoms" und hier auf die Darstellungen von Choreafällen bezieht und daß es richtig heißen muß: "Choreatic affections". Wegen solcher Fehler begannen der Verlag und die Herausgeber nunmehr das Original in Frage zu stellen und die Symptome so weit als möglich auf ihre Quellen zurückzuführen, soweit vorhanden auf die deutschsprachigen. So konnten weitere Fehler identifiziert werde, und es erschien unumgänglich, den Text insgesamt einer Überprüfung zu unterziehen, da das englische Original offenbar noch nie lektoriert worden war und wahrscheinlich in seiner letzten Ausgabe sich nicht mehr von H.C. Allen auf sinnentstellende Fehler durchgesehen worden war. Außerdem besteht ja die Crux jeder Übersetzung eines hömöopathischen Buches ins Deutsche darin, daß den englischen Werken, aus denen die Autoren geschöpft haben, sehr oft ihrerseits deutschsprachige Quellen zugrundeliegen, die ins Englische übertragen wurden und nun wieder zurückübersetzt werden müssen, wobei sich die Fehlermöglichkeiten naturgemäß vervielfachen.
Da sich Allens "Keynotes" seit vielen Jahrzehnten als ein hervorragendes Werk für die tägliche Arbeit erwiesen haben, lag es mir am Herzen, nunmehr die kleinen und großen Fehler zu beheben, um die deutsche Ausgabe hinsichtlich ihrer Verläßlichkeit noch zu steigern. Für diese Arbeit konnte, da ich wegen des großen Zeitaufwandes dazu nicht in der Lage war, Herr Dr. Andreas Grimm gewonnen werden. Dessen mühevoller und zeitintensiver Arbeit verdankt das Werk nun seine wissenschaftliche Treue und zahlreiche Ergänzungen aus den Werken Hahnemanns. Hierfür ist Herrn Grimm besonders zu danken.
Leitsymptome sind Symptome, die schon für sich allein auf ein bestimmtes Mittel aufmerksam machen. Aufmerksam geworden sein heißt aber, die Arzneimittelsymptome sorgfältig mit dem individuellen Fall zu vergleichen und eine Verordnung erst nach Sicherung
Der Arzneidiagnose zu geben. Das wörtlich vollständige Symptom kann diese Anforderungen erfüllen.
Es erschien sinnvoll, den Text mit eigenen Erfahrungen und Lesefrüchten zu ergänzen. Soweit es sich dabei um Symptome handelt, die in Hahnemanns Werken zu finden sind, sind sie mit Quellenangabe im Wortlaut in den Text eingefügt worden; handelt es sich um Ergänzungen von mir, sind sie entsprechend gekennzeichnet. Mit meinen Praxis-Tips versuche ich , die Dynamik des jeweiligen Mittels, anschaulicher zu machen, um das Wiedererkennen der Arznei beim Patienten zu erleichtern. Zuweilen führe ich auch Bewährte klinische Indikationen an, die für die homöopathische Praxis nützlich sein können.
Natürlich dürfen sie nicht als "Rezepte" verstanden und unkritisch übernommen werden, sondern es muß immer eine genaue Prüfung des Einzelfalles erfolgen. Weiterhin erschien es mir sinnvoll, die Weihepunkte der Mittel anzugeben, damit einer weiteren klinischen Überprüfung unterzogen werden können.
Ich hoffe mit diesem Buch den Kolleginnen und Kollegen ein brauchbares Werkzeug an die Hand zu geben. Leitsymptome wichtiger Arzneien und deren Modalitäten und Hinweise auf Vergleichsmittel stehen dem Benutzer in kondensierter Form zur Verfügung und können seine homöopathische Differentialdiagnose stützen. Dem Studenten kann es die zentralen Symptome der behandelten Arzneien so konzis vermitteln wie kaum ein anderes Werk. Ich hoffe damit aber auch den Weg auf die Quellen der Materia Medica zu weisen, denn hier kann die Arzneidiagnose zuverlässig gesichert werde, und mancher Arzneimittelschatz ist aus diesen Quellen noch nicht gehoben.
Detmold, im September 1990 Dr.med.Manfred Freiherr von
Ungern-Sternberg