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Krankheitszustände, Psychologie, Diagnosen und Fallbeispiele

 

Dr. med. Jens Wurster
Die homöopathische Behandlung und Heilung von Krebs und metastasierter Tumore

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    "... ein unbedingt empfehlenswertes Buch."  (AHZ 3/2007)

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Die Krebsbehandlung in der Homöopathie Band 1 - Bad Imnau, Juni 1997 - Neuauflage - Erscheinen ca. Sommer 2012

von Spinedi, Dr. med. Dario 
Leseprobe:
[Leseprobe S. 6 - 14]

Dr. Dario Spinedi: Liebe Kolleginnen und Kollegen. Ich freue mich von ganzem Herzen, da mit euch in Bad Imnau zu sein. [Beifall] Ich bin etwas erschrocken ob der großen Anzahl Teilnehmer. Vor allem aus technischen Gründen: hört man mich dort hinten? Hört man alles gut bis dort hinten? Ist die Qualität des Tones gut? Gut, dann können wir starten.
Das Thema: Die Krebsbehandlung. Ich bin nicht daher gekommen, um irgendwelche Rezepte zu bringen, wie man Krebs zu behandeln hat, die gibt es sowieso nicht. In der Homöopathie gibt es keine Rezepte. Jeder Fall ist ein Fall für sich. Ich habe auch [nur] wenige Kasuistiken mitgenommen. Das Ziel dieses Seminars, Herr Huber hat so schön das schon gesagt, ist, daß man am Schluß etwas Angst vor dem Krebs verloren hat. Wir müssen wissen, daß Krebs die zweithäufigste Todesursache ist, nach kardiovaskulären Erkrankungen. Also sehr viele Patienten. Man sagt, 20% der ganzen Bevölkerung erkranken an Krebs. Deswegen ist das sehr relevant, schon nur zahlenmäßig. Deswegen muß man sich mit diesem Thema beschäftigen.
Wenn jemand die Diagnose Krebs bekommt, nachher kommt Angst auf. Angst beim Patienten, aber sehr oft auch beim Arzt. Und diese Angst ist nicht gut. Nachher kommt der Patient zu uns, und die erste Reaktion ist: Ja, jetzt ist es schwierig für mich. "Vielleicht ist es besser, Sie gehen doch in die Klinik." Und es sind sehr wenige Ärzte, die den Mut haben, solche Patienten zu behandeln.
Woher rührt die Angst, oder besser gesagt, wie kann man der Angst beikommen? Es gibt zwei Hauptwege: der erste Hauptweg ist das Vertrauen in die Güte des Schöpfers und der zweite Hauptweg ist das Wissen.
Wenn man eine Sache weiß, nachher hat man weniger Angst vor dieser Sache, und so möchten wir etwas mehr wissen über Krebs und seine Behandlung. Meine Frage war immer: Wo finde ich das Wissen? Bei der Behandlung der chronischen Krankheiten hatte ich großes Glück, es wurde mir das alles erspart, dadurch, daß ich Dr. KÜNZLI kennengelernt habe. Und er hat uns seine Erfahrung von 40 Jahren geschenkt, und so mußten wir nicht viel nachdenken. Mit Krebsfällen hat sich Dr. KÜNZLI schon beschäftigt, aber nicht so in einer systematischen Art und Weise, daß er uns klare Anleitungen hätte geben können, wie man vorgeht. Und so waren wir ein bißchen im leeren Raum. Und dann habe ich mich gefragt, woher soll das Wissen kommen, welche die beste Art ist, Krebs zu behandeln.
Und dabei hat mir GOETHE geholfen mit einer Allegorie, in der er sagte, daß das Wissen des Menschen und der Menschheit entsteht in einer spiralförmigen Bewegung, in einer Spirale, die sich immer mehr nach oben bewegt, wobei jeder Ring, der da unten ist, dient dem nächsten Ring, damit er sich weiter entwickeln kann zu höheren Erkenntnissen, bis hinauf zur ideellen Wahrheit.
Was bedeutet das für uns praktisch in der Homöopathie? Es bedeutet, egal ob wir Krebs jetzt behandeln oder ein anderes theoretisches Thema, daß man sich auseinandersetzt mit dem Wissen der ersten Pioniere der Homöopathie und nachher schaut, was die Nachfolger gemacht haben, und die, die nachher gekommen sind, und man wird mit Erstaunen feststellen, daß es sich tatsächlich um eine Spirale handelt, wobei jeder Vorgänger etwas für den Nachfolger geliefert hat. Und so, durch das Studium aller dieser Menschen, die sich sehr um die Krebskrankheit bemüht haben, werden wir eine Ahnung bekommen, in welche Richtung sich die Behandlung des Krebses zu bewegen hat, in Zukunft. Wir wollen jetzt nach dieser mehr theoretischen Einleitung in medias res gehen und mit wem werden wir natürlich anfangen?
Teilnehmer / Teilnehmerin [im Folgenden: T.]: HAHNEMANN.
Dr. Dario Spinedi [im Folgenden: Sp.]: Ja, sehr gut! Wer hat das gesagt? [Lachen] Es konnte niemand anders als Herr K. sein! Jawohl, HAHNEMANN.
Also, schauen wir mal, was HAHNEMANN bezüglich Krebskrankheit gesagt hat. Er hat einiges gesagt. Und was HAHNEMANN gesagt hat, hat ewigen Wert! Das kann man nicht sagen von allen Autoren, die man später antreffen wird, aber was er gesagt hat, das gilt auf immer und wird immer gelten. Und wo finden wir dieses Wissen von HAHNEMANN über Krebs? Wo wohl?
T.: Im Organon.
Sp.: Im Organon. [Da] kann man nicht viele Fehler machen! [Lachen] Und welche Paragraphen werden es wohl sein?
T.: 205.
Sp.: 205. Also fangen wir bei 172 an, dann kommen wir schon zu 205. [Lachen] Also, jetzt brauche ich jemand, der so lieb ist mir zu helfen bei der Lektüre. Sonst habe ich mitten im Seminar keine Stimme mehr, dann. Wer möchte mir helfen? Gerne, danke Herr K. Also, wir fangen mit §172 der 6. Auflage des Organon an.

[Samuel HAHNEMANN, Organon der Heilkunst, 6. Auflage, 1921, Haug, 1996]
"§172: Eine ähnliche Schwierigkeit entsteht von der allzu geringen Zahl der Symptome einer zu heilenden Krankheit, ein Umstand der unsre sorgfältige Beachtung verdient, da durch seine Beseitigung fast alle Schwierigkeiten dieser vollkommensten aller möglichen Heil-Methoden (wenn man den noch nicht vollständigen Apparat homöopathisch gekannter Arzneien abrechnet) gehoben sind.
§173: Bloß diejenigen Krankheiten scheinen nur wenige Symptome zu haben, und deshalb Heilung schwieriger anzunehmen, welche man einseitige nennen kann, weil nur ein oder ein Paar Hauptsymptome hervorstechen, welche fast den ganzen Rest der übrigen Zufälle verdunkeln. Sie gehören größtenteils zu den chronischen."

Sp.: Ja, damit wir nicht die Orientierung verlieren, werde ich immer einen kleinen Kommentar geben. Also: z.B. fortgeschrittene Krebsfälle gehören zu dem da. Also Krebsfälle, die einen gewissen Punkt erreicht haben, gehören dann zu den einseitigen Krankheiten. Deswegen, wenn wir diese behandeln, müssen wir diese Paragraphen genau studieren, sonst, ohne dieses Wissen, werden wir diese Fälle niemals heilen können. Das ist ganz wichtig. Lesen wir bitte weiter.

"§174: Ihr Hauptsymptom kann entweder ein inneres Leiden (z.B. ein vieljähriges Kopfweh, ein vieljähriger Durchfall, eine alte Cardialgie usw.) oder ein mehr äußeres Leiden sein. Letztere pflegt man vorzugsweise Local-Krankheiten zu nennen.
§175: Bei den einseitigen Krankheiten ersterer Art, liegt es oft bloß an der Unaufmerksamkeit des ärztlichen Beobachters, wenn er die Zufälle, welche zur Vervollständigung des Umrisses der Krankheitsgestalt vorhanden sind, nicht vollständig aufspürt.
§176: Indes gibt es doch einige wenige Übel dieser Art, welche nach aller anfänglichen (§§84 - 98) Forschung, außer einem Paar starker, heftiger Zufälle, die übrigen nur undeutlich merken lassen.
§177: Um nun auch diesem, obgleich sehr seltenen Falle mit gutem Erfolge zu begegnen, wählt man zuerst, nach Anleitung dieser wenigen Symptome, die hierauf nach bestem Ermessen homöopathisch ausgesuchte Arznei."

Sp.: Damit die Sache nicht zu trocken wird, wollen wir das üben an einem Fall, diesen Paragraphen. Jetzt werde ich einen schönen Krebsfall vorlesen, ich werde es aus dem Englischen übersetzen. Und nachher, wenn es darauf ankommt, daß ihr notiert, sage ich es euch, weil ich möchte, daß ihr anhand des §177 diesen Fall löst, dann.
Es ist das Jahr 1841. - Also jetzt, wenn ihr wollt, könnt ihr notieren, aber müßt ihr nicht unbedingt, für die Mittelfindung. Ich lese zuerst die ganze Einleitung. - Der Ort ist Mailand. Es geht um den Feldmarschall Graf Radetzki. Diagnose: Fungus carcinoma des rechten Auges.
Im Januar 1841, als er 75jährig war, litt der berühmte österreichische Feldmarschall Graf Radetzki an einem Tumor in der rechten Orbita. Ein Tumor, der den Augapfel nach außen und nach unten drückte. Der Tumor hatte angefangen zu wachsen im vergangenen Oktober. Der Kaiser, der ein großer Freund des Feldmarschalls war, schickte zu ihm Dr. Jäger, Professor der Ophthalmologie der Hl. Josef-Akademie in Wien, nach Mailand, damit er sich konsultieren kann mit Prof. Flauer, einem Ophthalmologen an der Universität Pavian. Und mit diesen zwei zusammen war auch der Homöopathiker da, das war Dr. HARTUNG. Die drei haben sich getroffen am 26. Januar, und nach gründlicher Untersuchung sagten [sie] einstimmig, daß diese Krankheit ein fungöser Krebs sei. Die zwei Professoren sagten, er sei unheilbar, und sie würden keine Methode kennen, mit welcher man [ihn] heilen könnte, und der Tod wäre nur noch eine Sache der Zeit. Und daß keine Medizin die Macht hätte in so einem Fall. Dr. HARTUNG war damit einverstanden, daß es wirklich ein unheilbarer Fall war, mit den üblichen Methoden. Aber er meinte, mit der Homöopathie könnte man etwas erreichen.
Und da sehen wir einen ersten Punkt. Was für ein Punkt fällt auf bei Dr. HARTUNG?
T.: Hoffnung.
Sp.: Hoffnung, und ?
T.: Vertrauen.
Sp.: Und ?
T.: Mut.
Sp.: Mut ? Mut! Er steht da vor den Augen dieser zwei großen Spezialitäten und er riskiert, daß die ganze Homöopathie in den Dreck gezogen wird. Und doch, er vertraut! Wahrscheinlich das Vertrauen wurde geweckt durch das Mitgefühl. Weil das Mitgefühl ist die Grundlage für das Vertrauen. Mit diesem Mann, der so leidet. Er hat gesagt: Ich will auf jeden Fall versuchen, etwas für ihn zu machen. Und jetzt, was ist passiert?
Dr. HARTUNG hat ihn behandelt, und am 16. März war er vollkommen geheilt. Das heißt, dieser Fungus, dieses Sarkom hat sich zurückgezogen ins Auge, das Auge erreichte die alte Stellung und er war geheilt. Und Marschall Radetzki hat einen wunderschönen Brief geschrieben, wo er bestätigt, daß man ihn homöopathisch von diesem bösartigen Tumor hat heilen können.
Jetzt, wenn ihr wollt, könnt ihr anfangen zu schreiben, weil ihr müßt das Mittel finden oder die Mittel.
Dr. HARTUNG beschreibt den Fall folgendermaßen: es war ein harter grau-bläulicher Tumor, der die ganze Orbita ausfüllte und das Auge nach außen drückte. Unter dem Augenlid konnte man klar sehen die fungöse Natur. - Das ist ein alter Begriff, Fungus: das waren blutige Tumoren, bösartige, die sehr leicht geblutet haben. Das war dieser Begriff vom Fungus. - Der Augapfel wurde gedrückt gegen den äußeren Canthus und war unbeweglich, konnte sich überhaupt nicht mehr bewegen. Und darin waren stechende, reißende, brennende Schmerzen und Juckreiz. Das Auge an und für sich war schmerzlos, aber es war blind, konnte nichts mehr sehen. Die Augenlider waren gestreckt, geschwollen, schwarz und blau, und unbeweglich. Die Konjunktiva, die Plica semilunaris und die Caruncula lacrimalis waren losgelöst und schmutzig rot, bedeckt mit einem dicken Gewebe von varikösen Gefäßen.
Wir stehen ganz klar vor einem Fall, wie es in diesem Paragraphen beschrieben ist und speziell §177 sagt uns, wie wir da vorzugehen haben. Versucht auf Grund dieser Symptome und dieses Paragraphen ein Mittel zu suchen.
Zum kleinen Trost: Auch Dr. HARTUNG hat nicht beim ersten Anlauf das richtige Mittel gefunden.
[Nach einiger Zeit der Repertorisation durch die Teilnehmer]
Wollen wir es gemeinsam versuchen? Welches sind die Symptome, die ihr nehmen würdet in diesem Fall?
T.: Tumor, Angiome oder Fungus, im SYNTHESIS Seite 1695.
Sp.: Also Carcinoma; Augen ? unter Augen, oder ?
T.: Nein, ich habe [bei] Allgemeines geschaut.
Sp.: Sie haben Allgemeines, warum nicht Augen nehmen? Also, Krebs des Auges, fungös.
Ja, was noch?
Wir sprechen jetzt von einseitigen Krankheiten. Und da muß man eben die Symptome nehmen, die vorhanden sind. Das ist ein bißchen anders, als bei den chronischen Krankheiten. Was nehmen wir noch?
T.: Die blauschwarze Farbe.
Sp.: Sehr gut, also: blaue Farbe, blauschwarze Farbe.
Was noch?
T.: Schmerzempfindungen.
Sp.: Schmerzempfindungen, was für Schmerzen haben wir?
T.: Stechende ?
Sp.: Ja, brennend ?
T.: Und Juckreiz, das ist sehr eigenartig. Bei den Schmerzen besteht auch noch ein Juckreiz, das ist was Eigenartiges.
Sp.: Brennend, stechend, reißend, Juckreiz.
Ja, noch was?
T.: Augen; Tumor; Sarkom.
Sp.: Ist nicht gerade ein Sarkom, dieser Fungus. Habe ich gesagt Sarkom? Habe ich diktiert Sarkom?
T.: Das war die Diagnose der Schulmediziner.
Sp.: Fungus carcinoma of the right orbita steht als Titel oben, [es] ist ein fungöses Gewächs, d.h. diese blutenden Tumoren.
T.: Exophthalmus.
Sp.: Ja, ist das auffallend, dieser Exophthalmus?
T.: Nein.
Sp.: Das ist bedingt durch den Tumor, nicht? Er drückt das Auge so nach außen.
Was ist noch frappierend?
T.: Schmerzlosigkeit des Auges selbst.
Sp.: Eben, da sind die Gewebe um das Auge befallen. Das Auge selbst tut nicht weh.
T.: Das Venennetz.
Sp.: Ja, das ist auch auffallend, dieses Venennetz, nicht? Venennetz. Wenn man ein bißchen Erfahrung von der Materia Medica hat und diese Symptome sieht, dann denkt man sofort an was?
T.: An Carbo animalis.
Sp.: Carbo animalis, ganz genau. Also wenn man ein bißchen die Materia Medica der Krebsmittel studiert hat und dann diese Symptome sieht, dann springt gerade Carbo animalis in die Augen.
Wir können das auch im Repertorium suchen unter: Cancer; eyes, also Krebs der Augen, im COMPLETE glaube ich gibt es noch Fungus und dort steht auch Carbo animalis drin. Habt ihr gesehen? Steht nicht im SYNTHESIS. Im COMPLETE steht? ? Carbo animalis? Gut.
Nachher die blaue Farbe, wo suchen wir die blaue Farbe des Tumors. Das suchen wir bei Haut / Skin; discoloration; bluish. Alles so bläulich.
Was ist auffallend noch an diesem Tumor ? ? Daß es leicht ??
T.: ? blutet.
Sp.: Blutet, sehr leicht blutet. Und da habe ich mir geholfen mit der Rubrik Wounds; bleeding; freely, einfach: leicht blutende Wunden. Man muß manchmal auch ein bißchen spielen bei der Repertorisation, also: Wunden; bluten leicht unter Allgemeines.
Ist dort Carbo animalis drin? Ist drin. Eben, diese leichte Blutungstendenz.
Wenn wir diese Symptome nehmen, kommen wir auf drei Mittel, vor allem: Silicea, Phosphorus und Carbo animalis. Aber wenn wir zwischen Phosphorus und Carbo animalis zu differenzieren haben und so ein Venennetz sehen, dann fällt natürlich die Wahl ziemlich deutlich auf Carbo animalis - diese venöse Stase, diese bläuliche Verfärbung. Und jetzt haben wir Carbo animalis herausgefunden und wir sind ganz glücklich. Aber die Homöopathie hält immer Überraschungen bereit. Schauen wir, wie es bei Dr. HARTUNG gegangen ist:
Er hat vorerst Arsenicum gegeben. Das ist ja das All-Krebsmittel, nicht? Das gibt man, wenn man nichts Gescheites weiß. Psorinum, Herpetinum - es hat alles nichts gebracht. Aber dann ist er schnell gekommen auf Carbo animalis, er war ein sehr guter Arzt. Also Carbo animalis 30, da hat die Blutung und das Wachstum aufgehört. Carbo animalis 30 !
Aber: es folgte keine Besserung! Und das hat man gerne, nicht? Wenn man denkt, jetzt habe ich ein gutes Mittel gefunden, und dann folgt keine Besserung, beim Tumor. Schon, es wächst nicht mehr, es blutet nicht mehr, aber wer hat gerne so ein Auge, das nach außen gedrückt wird?
Was könnte vorliegen, in diesen Fällen? Wenn ihr euch vorstellt, so ein Marschall, ein Feldmarschall: eine Sykosis, nicht? Ja. Und deswegen, aus seinem großen Wissen heraus und aus diesem Venennetz, das ein typisches Zeichen für Thuja ist, hat er ihm Thuja dazwischen gegeben. Dieses Venennetz ist ein typisches Zeichen für Thuja auch.
Er hat Thuja, ein Tropfen der D 30 gegeben, in ein Glas Wasser, dreimal täglich. Und da hat der Schmerz vollkommen aufgehört, es nahm ab, aber dann kam es zu einem gewissen Stillstand und da hat er Carbo animalis wieder gegeben, dann ging es wieder weiter, und so hat er sich eingependelt in wöchentlichen Abwechslungen von Carbo animalis und Thuja bis zur kompletten Heilung.
Das ist eine individuelle Therapie. Er hat es einfach gesucht, nicht? Das steht in keinem Buch geschrieben, wie man vorzugehen hat beim Krebs. Man startet irgendwo und genau wie es in diesem Paragraphen drin steht. Wir werden noch alles lesen. Carbo - Sykosis: dazwischen Thuja, er nimmt diese Blockade weg: Carbo wirkt gut. Thuja wieder, und immer ein Fortschritt bis zur kompletten Heilung!
Und da kann man theoretisieren wie man will, wenn etwas Solches geheilt ist, ist es geheilt. Es ist einfach ein Wunderwerk.
T.: Konnte er wieder sehen?
Sp.: Also, was steht da? Das Resultat war jenseits aller Erwartungen. Innerhalb von sechs Wochen hat dieser Fungus progressiv abgenommen, ist verschwunden, und das Auge hat die vollkommene Sicht wieder erlangt. Also, da kann man nicht theoretisieren über solche Dinge.
Ist schon ein bißchen Angst vor dem Krebs vergangen? [Lachen]
Also, ein bißchen, ein bißchen; man soll auch nicht zu euphorisch werden. Gut, das war zur Illustration von diesem §177, wir wollen jetzt weitergehen bitte, mit der Lektüre.
T.: Darf ich geschwind einen kleinen Nachtrag zu Dr. HARTUNG [machen]?
Aufgrund dieses Behandlungserfolges ist Dr. HARTUNG zum obersten Militärarzt der italienischen Armee im habsburgerischen Kaiserreich ernannt worden. Außerdem hat er von HAHNEMANN persönlich den HAHNEMANN-Ring überreicht bekommen. Er hat mit HAHNEMANN ? oder HAHNEMANN hat mit ihm korrespondiert, und er hat für diese Leistung den HAHNEMANN-Ring erhalten. Der HAHNEMANN-Ring befindet sich heute im Nachlaß von Dr. HARTUNG. Es gibt einen Arzt und Kollegen, Dr. HARTUNG, im Rheinland, und mit dem habe ich über diesen Nachlaß korrespondiert und er hat mir auch die Krankengeschichte von Radetzki zugeschickt. Also das existiert alles in den Nachlässen von dem Dr. HARTUNG.
Sp.: Einen schöneren Rahmen zu meinen Ausführungen könnte ich nicht erhalten. Danke Herr K.
Wir wollen jetzt weiterlesen: §178.

"§178: Es wird sich zwar wohl zuweilen treffen, daß diese, mit sorgfältiger Beobachtung des homöopathischen Gesetzes gewählte Arznei, die passend ähnliche künstliche Krankheit zur Vernichtung des gegenwärtigen Uebels darreiche, welches um desto eher möglich war, wenn diese wenigen Krankheitssymptome sehr auffallend, bestimmt, und von seltener Art oder besonders ausgezeichnet (charakteristisch) sind."

Sp.: Das ist sehr wichtig! Denn nicht nur der Organismus als ganzes ist fähig, seine Individualität auszudrücken, sondern auch der Tumor. Der Tumor hat auch seine Individualität. Nicht alle Tumoren sind gleich. Und wenn man Krebs behandelt, muß man suchen die Individualität des Krebses. Und die Individualität dieses Krebses war die blaue Farbe, war, daß er das Auge befallen hat, war, daß er ein Venennetz gehabt hat, daß er brennende, reißende, stechende Schmerzen mit Jucken gehabt hat, und daß er leicht geblutet hat. Das sind, bezogen auf Krebs, niemals Lokalsymptome. Das sind §153-Symptome, im Sinne von HAHNEMANN, auffallende, sonderliche, weil sie diesen Krebs charakterisieren. Also, wir müssen beim Krebs das Individuelle suchen. Und nicht uns stürzen auf die Gesamtheit der Symptome, wie bei den anderen chronischen Krankheiten. Die sind seltener, die Fälle, wo man mit der Totalität ? - die muß man sowieso immer einholen - aber nicht immer gelingt es, mit der Totalität das Mittel für den Krebs zu suchen. Das werden wir noch weiter ausführen.
[?]


[Leseprobe S. 165 - 167]

Sp.: Es ist ganz klar, daß der Entscheid, welche Therapie gemacht wird, immer vom Patienten ausgeht. Das wäre das schlimmste ? man kann keinen größeren Fehler machen, als jemandem etwas einzureden. Aber es ist so, daß viele Leute zu uns kommen und sagen: Ich will keine Schulmedizin, können Sie mir nicht helfen? Bei diesen Patienten, geht es darum, was machen wir dann? Ja. Noch eine Frage?
Gut, dann gehen wir ein Stücklein weiter. Wer ist so lieb, noch ein bißchen zu helfen? Ja, wir lesen wieder im Buch von CLARKE, Seite 49 "Diese Patientin ?".

[John H. CLARKE, Die Heilung von Tumoren durch Arzneimittel, 1904, Müller & Steinicke, 1991, S. 49]
"Diese Patientin geriet nach der ersten Dosis von Ornithogalum ?"

Sp.: Es ist ein Fall, entschuldigen Sie, von einem Darmkrebs, der mit Ornithogalum behandelt wurde, und ich lese jetzt nur vor etwas sehr Interessantes.

" ?Diese Patientin geriet nach der ersten Dosis von Ornithogalum niemals wirklich ins Schwanken, und das trotz des schweren Anfalls von Influenza - dieses schrecklichen Störenfrieds bei so vielen hoffnungsvollen Fällen von Krebsheilung. ?"

Sp.: Wiederholen wir noch diesen Satz bitte.

" ?Diese Patientin geriet nach der ersten Dosis von Ornithogalum niemals wirklich ins Schwanken, und das trotz des schweren Anfalls von Influenza - dieses schrecklichen Störenfrieds bei so vielen hoffnungsvollen Fällen von Krebsheilung. Alle, die schon viele solcher Fälle zu behandeln hatten, mußten diese Erfahrung machen. Ein Organismus, der unter der arzneilichen Hilfe tapfer reagierte und bei Doktor und Patient große Hoffnung auf Heilung aufkommen ließ, wird durch die Influenza schlimm vergiftet. Die Vitalität wird gemindert, das Gleichgewicht ist zerstört. Krebs und Influenza ist ein doppelter Feind, dem der schon stark strapazierte Organismus nicht länger Widerstand leisten kann. In diesem Falle war jedoch glücklicherweise genug Vitalität vorhanden, um den Kampf mit beiden aufzunehmen. (?)"

Sp.: Ja, da bin ich mit Dr. CLARKE absolut nicht einverstanden. Er sagt, daß Influenza ein schrecklicher Feind ist. Die Natur ist selten ein schrecklicher Feind. Ich habe im Gegenteil beobachtet, daß, wenn ich einen Krebsfall behandle und eine Influenza auftritt und ich die Symptome dieser Influenza ganz genau repertorisiere, diese Symptome mir das Krebsmittel in die Hand geliefert haben. Und vorher habe ich gar kein Krebsmittel gegeben. Und wenn ich die ganzen Literaturfälle so überblicke und sehe, wie oft ist eine Influenza oder eine Zwischenkrankheit aufgetreten bei einer Gabe eines Mittels, und dann der betreffende Arzt gab das Influenzamittel über zwei, drei Wochen und er hat nachher die Heilung ? äh, wie sagt man? ? Er meinte, die Heilung käme vom ersten Mittel, aber das war nicht so. Die Heilung kam, nachdem er [die] Influenza behandelt hat, wenn man die Fälle genau analysiert. Und das habe ich in meiner Praxis beobachtet. Ich gebe ein falsches Mittel bei einem Krebsfall und dann plötzlich kommt eine Bronchitis. Eine akute Krankheit. Und die muß man peinlichst genau repertorisieren. Und diese Symptome haben mir oft das Mittel gegeben, das für diesen Krebspatienten in Frage kam. Also, kein schrecklicher Feind, sondern ein ganz großer Freund ist die Influenza. Aber wir meinen wahrscheinlich dasselbe, nur ein bißchen anders ausgedrückt.
Gut, jetzt käme eigentlich KENT an die Reihe. KENT, seine Theorie von 1900, da war er eben sehr von Swedenborg angetan und deswegen hat er Dinge geschrieben, die [ihn] eher weggebracht haben von der richtigen Richtung bei der Krebsbehandlung. Was hat er z.B. gesagt? Also, bei KENT in der alten Theorie, Seite 24, Theorie der Homöopathie von KENT und in der neuen vom Haug-Verlag Seite 27.

[J.T. KENT, Zur Theorie der Homöopathie, 1905, Haug 1996, S. 27 (S. 24 in der Ausgabe des Verlages Grundlagen und Praxis, Leer, vergr.)]
"Nicht jede beliebige Manifestation einer krankhaften Störung im Organismus ist eine Heilanzeige. Diejenigen Symptome, welche durch Gewebsschäden dargestellt werden, also objektive Symptome in chronischen Krankheiten wie zum Beispiel Geschwülste, Krebs usw. werden für sich allein niemals auf die Heilmitteldiagnose verweisen. Der homöopathische Arzt muß absolut unterscheiden können, was an einem Fall heilbar ist, was noch als reversibel gilt, also vom Heilmittel noch materiell erfaßbar ist. Das sind echte Heilanzeigen. ?"

Sp.: Eben, er sagt, daß sehr selten der Krebs, die Geschwülste, uns Symptome liefern, die es erlauben, das Mittel zu finden. Das stimmt absolut nicht überein mit dem, was er in seiner Praxis gemacht hat. Wenn man die Krebskasuistiken analysiert, die KENT geheilt hat, hat er lauter Symptome der Geschwulst genommen. Also, die Theorie von KENT in dieser Epoche, und das ist ja nur eine Zeitaufnahme, 1900, stimmt nicht überein auch mit den Fällen, die er 1894 z.B. behandelt hat. Dort sind Brustkrebsfälle, sechs Jahre bevor er die Theorie geschrieben hat, wo er lauter Lokalsymptome genommen hat, d.h. Tumorsymptome. Lesen wir weiter.

" ?Der Arzt muß eine sehr klare und deutliche Vorstellung von den Gesetzen und Regeln haben, welcher jede organische Funktion unterliegt. Er muß wissen, daß die Ursache aller Krankheit von innen nach außen geht, vom Zentrum zur Peripherie, von den edelsten inneren Organen bis hinaus in die abgelegensten Körperpartien. Stehen wir unter einem Gesetz, das uns regiert, so herrscht dies Prinzip über jeden Vorgang in unserem Organismus. Der Regierung gehorcht alles vom Zentrum aus bis zu den entlegensten Grenzen. Vergleiche man mit der Politik: In Ländern, in welchen man sich der Regierung nicht unterwirft, verliert sich das Vertrauen und bald herrscht überall Anarchie. (?)"

Sp.: Ja, die Meinung von KENT, die er vertritt, im ganzen theoretischen Teil seiner Philosophie ist: man müsse immer alle Symptome des Menschen nehmen, und die Heilung müsse von innen nach außen [gehen], man müsse die Geistes- und Gemütssymptome an oberster Stelle setzen, und das gilt einfach für die Krebsbehandlung nicht immer. Das ist ein Hindernis. Deswegen, wenn man die Statistik, die [von] STEPHENSON - ich glaube um 1924 herum - liest, er hat da alle Autoren, die Krebs behandelt haben, verglichen, und KENT war ganz düster in seiner Prognose bezüglich Krebs. Er hat gesagt in der Materia Medica bei Carbo animalis, wenn jemand soweit ist, Krebs zu haben, dann ist keine Heilung mehr möglich. Und das nimmt den Mut weg, nicht? Das ist vielleicht nur ein kleiner Nävus im Schaffen von KENT. Er hat uns sonst Unendliches geschenkt. Aber diesen Nävus müssen wir wegwischen, damit wir auch mehr Mut haben, Krebs zu behandeln. Ja, er sagt noch etwas auf Seite 62 in der alten Theorie und [Seite] 72 in der neuen.
[?]


[Leseprobe S. 170 - 171]

T.: Also, so wie ich jetzt den KENT verstanden habe, hat er einfach gemeint, daß es falsch ist, direkt einfach nur nach der Diagnose zu verschreiben, weil er ? drei Zeilen später stand dann: die Ärzte verschreiben Bufo für Epilepsie und Silicea für Hüftgelenksarthrose. Und Sie meinen doch jetzt, einfach die individuellen Symptome der Diagnose noch mit einzubeziehen und das meint er doch ? das hat er doch nicht gemeint, daß das nichts mehr bringt. Er hat doch gemeint, es bringt nichts, einfach nur kategorisch z.B. Bufo für Epilepsie zu verschreiben und er hat ja, wie Sie gestern oder so gezeigt haben, auch öfters die individuellen Symptome des Krebses verwendet und damit auch Erfolge erzielt. Und vorher hat er ja auf Seite 24 oder wo das war, wo er gesagt hat, daß man mit den Krebssymptomen nicht ein tiefwirkendes Mittel finden kann, oder so. Und das haben Sie doch auch gesagt, daß meistens das erste Mittel, das man auf die individuellen Symptome des Krebses hin verschreibt, nicht das Mittel ist, das dann den ganzen Fall in Ordnung bringt, sondern nur erstmal Erleichterung verschafft und dann ein neues Mittel sich ergibt aus den Symptomen, die dann auftreten. Also letztendlich widerspricht sich das doch nicht, was der KENT sagt und was Sie jetzt dazu gesagt haben?
Sp.: Gut. Also Sie haben es milde ausgedrückt, wenn Sie sagen, das erste Mittel schafft Erleichterung. Das erste Mittel rettet das Leben! Und das zweite Mittel stabilisiert die Situation.
T.: Das sagt er auch.
T.: Also, er hat es doch genauso gesagt. Er hat ja auch gemeint, das Mittel wirkt halt nicht so tief, sondern ? o.k. rettet das Leben, aber es könnte nicht den Menschen heilen, sondern es kann erstmal nur das Leben retten.
[Lachen im Saal]
Sp.: Gut, ich glaube, wir haben uns schon verstanden. Ja?
T.: Ich hätte noch eine Frage, und zwar, solche Endzustände, wir sprechen zwar jetzt über den Krebs, aber solche Endzustände oder schwierigen Zustände finden wir auch bei anderen Erkrankungen: bei einer Multiplen Sklerose z.B. oder bei anderen so schweren Erkrankungen und dann ist ja oft die Frage: nehme ich dann diese Leitsymptome, die im Augenblick da sind, die aber pathognomonisch zur Erkrankung dazu gehören oder nehme ich diese Leitsymptome nicht, d.h. die Frage ist, welche anderen einseitigen Krankheiten, außer denen, die HAHNEMANN beschrieben hat, sind für uns noch so wichtig, daß wir das Vorgehen ändern müssen?
Sp.: Also, ich muß sagen, daß die meisten Krankheiten sonst nach der Totalität der Symptome behandelt werden. Und nicht nach den ? Bei der Epilepsie ist es komplett falsch die Anfallssymptome zu nehmen und nach denen zu behandeln. Also man nimmt die Symptome der latenten Psora, der ausbrechenden Psora, die uns HAHNEMANN in Band I Chronische Krankheiten gegeben hat. Ebenso bei der Bright'schen Krankheit, bei der Glomerulonephritis, wenn man das Glück hat, noch die Symptome der Totalität zu sehen, gibt man einfach dieses Mittel. Bei Multipler Sklerose sowieso, man nimmt die Totalität der Symptome. So, wie wir es gewohnt sind bei der Behandlung der chronischen Krankheiten, schön nach der KENT'schen Methode. Totalität, Hierarchisierung nach HAHNEMANN, KENT. - Hingegen beim Krebs ist es ein Spezialfall. Deswegen habe ich dieses Seminar gebracht, gesondert, weil ich das Bedürfnis hatte, einfach das, was ich gelesen habe, was ich ein bißchen in meiner Praxis gesehen habe, mitzuteilen. Krebs ist wirklich ein Spezialfall. Ich wüßte nicht von einer anderen einseitigen Krankheit, die ich so wie Krebs angehen würde. Und dieses Wissen kommt ja aus der Praxis, nicht aus der Theorie. Ich habe gesehen, bei MS hat man wirklich manchmal ganz schöne Erfolge mit der Methode, die wir gelernt haben. Bei Glomerulonephritis habe ich auch erlebt schöne Heilungen nach dieser Methode. Bei Epilepsie auch schöne Heilungen nach dieser Methode. Es gibt auch Mißerfolge, wenn man nicht das gute Mittel findet. Aber beim Krebs hatte ich lauter Mißerfolge. Und so, aus der Praxis, habe ich begriffen, daß man da einen anderen Weg gehen muß. Und Krebs, muß man wissen, er ist wie ein zweiter Körper im Körper. Er ist ein Fremdkörper. Er hat ein Eigenleben. Er hat sich distanziert von der Kontrolle des ganzen Organismus. Und so muß man dieses autonome Gebiet quasi gezielt behandeln. Der Körper mit dem Konstitutionsmittel hat nicht mehr die Kraft, Einfluß zu nehmen auf diese Autonomie. Und es gibt aber dennoch Mittel, die diese Kraft haben. Und das sind die Mittel, die dem Krebsprozeß entsprechen. Wir werden diesen Prozeß noch herauskristallisieren.




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