Anmerkungen zu den Nosoden
Tuberculinum und Bacillinum in der täglichen Praxis !!Gebraucht!!
von Creasy, Sheilagh
Vorwort:
Dieses Buch ist eine Zusammenstellung aller Daten, die ich zum Thema Tuberculinum sammeln konnte. Über die Arznei Tuberculinum gibt es nur sehr wenige Schriften, und noch weniger Autoren haben seine Rolle als Nosode beschrieben, welche jene Fälle entblockt, die nicht vorangehen wollen. Diese Lücke in meinen Kenntnissen vor Augen, ließ mich jegliche Information, der ich begegnete, sammeln. Viele dieser Notizen stammen daher von Homöopathen dieses Jahrhunderts; ein gewisser Teil aus Vorlesungen, an denen ich teilnahm. Soweit möglich, habe ich mich an den Originalwortlaut des jeweiligen Autors gehalten. Der Leser muß selbst entscheiden, wieweit er deren Ratschlägen folgt. Für mich selbst kann ich sagen, daß ich das meiste, das hier aufgeführt ist, in meiner klinischen Praxis gesehen habe. Alle Nosoden haben ihre eigenen Charakteristika, und es ist wichtig, daß wir sie aus allen verläßlichen Quellen studieren.
"Daher ist die einzige Möglichkeit, eine Nosode einzusetzen, sie an Gesunden zu prüfen wie jedes andere Arzneimittel, und seine Symptome in der üblichen Weise aufzuzeichnen". Die Bestandteile von tuberkulösem, gonorrhoischem und syphilitischem Material stellen unsere Arzneien Tuberculinum, Medorrhinum und Syphilinum dar, und der Potenzierungsvorgang erschließt uns ihre innewohnenden dynamischen Kräfte; deshalb müssen wir sie genauso gewissenhaft verordnen wie jede andere Arznei, wobei wir alle Informationen in den Prüfungen finden.
Im Organon, § 203-206, spricht Hahnemann über die venerischen Krankheiten; in 206 über die Komplikationen mit der Psora, welche die grundlegende und häufigste Ursache der chronischen Krankheiten ist.
Für Hahnemann bedeutete der Begriff "chronische Krankheit" nicht nur lange anhaltende Krankheit, sondern auch Miasma, Krankheit, die durch chronische Entwicklung gekennzeichnet ist. Der Begriff Miasma läßt sich nicht ohne Weiteres übersetzen, am nächsten kommen Ansteckung oder Befleckung. Ich werde die Begriffe Diathese oder Dyskrasie gebrauchen, um die zugrundeliegende, dem jeweiligen Individuum eignende Konstitution zu umschreiben.
Die tuberkulinische Dyskrasie
Die Meinungen der verschiedenen Autoren variieren darüber, ob zuerst die TB oder die Syphilis auf die Psora folgte. In ihren Frühstadien ist die tuberkulinische Diathese gekennzeichnet durch funktionelle Störungen, wie z.B. ständige Erkältungen, Kopfschmerzen und Neuralgien, wie wir sie bei Agaricus, Kalium carbonicum, Stannum und China als Beispiele tuberkulinischer Mittel finden. Wenn sich diese anfänglichen Zustände weiterentwickeln, dann zeigt der destruktive Aspekt der tuberkulinischen Dyskrasie die syphilitische Überlagerung auf, z.B. Drosera mit seiner Knochenkaries und Calatropis mit seinen Ulzerationen.
Die tuberkulinische Tendenz (Dyskrasie) kann jederzeit aktiviert werden durch Krankheit, Kummer, Schreck oder Umwelteinflüsse.
Jedes Miasma hat seinen eigenen allgemeinen Charakter, aber wir finden bei unseren Patienten oft Kombinationen - es ist unsere Aufgabe diese vererbten Tendenzen zu erkennen, seien sie nun einfach oder komplex. Das Erkennen und die entsprechende Behandlung dieser Anzeichen bei unseren Patienten, könnte bei ihren Nachkommen konstitutionelle Belastungen aufheben und die angeborenen Veranlagungen einer künftigen Generation verbessern (Eugenik).
Nach Hahnemanns Zeit blieb es späteren Generationen von Homöopathen überlassen, die verschiedenen Präparationen von Tuberculinum zu prüfen. Diese Aufzeichnungen, zusammengestellt sowohl aus den Werken der Prüfer, als auch derer, die zu den Originalprüfungen klinische Referenzen hinzugefügt haben, stellen die Grundlage für die Diskussion der tuberkulinischen Dyskrasie in diesem Buch dar. Alle Präparationen der Tuberculine sind sich ähnlich. Bestimmte Eigenschaften, die die Auswahl unter verschiedenen Umständen beeinflussen, ergeben sich aus den Anmerkungen. Fordert man vom Arzneihersteller Tuberculinum an, so wird entweder Tuberculinum Koch oder Tuberculinum bovinum geliefert. Die meisten Praktiker meinen, daß in ihren Wirkungen kein Unterschied sei. Wenn ich von der Wirkung des einen enttäuscht wurde, mache ich mir eine Anmerkung, so daß ich beim nächsten Mal, wenn wieder Tuberculinum angezeigt ist, das andere Präparat anwende, um zu sehen, ob damit ein größerer Nutzen erzielt werden kann.
Die verschiedenen Tuberculinum-Präparate
Bacillinum geprüft durch Burnett aus einem Extrakt von menschlichem tuberkulösem Sputum.
Tuberculinum Koch Kochs isolierte menschliche Tuberkelbakterien.
Tuberculinum bovinu von Kent aus infizierten Rinderlymphdrüsen gewonnen, von Boericke und Tafel potenziert.
Tuberculinum denys v.a. von Cartier, Frankreich, angewendet; hergestellt aus Laborkulturen.
Tuberculinum Marmorek Nebel und Vannier, Frankreich, gaben dieses Präparat in der 6. und 30. Potenz.
Tuberculinum aviare aus Vogel- oder Hühnchenleber (Quellen uneins); häufig von den Franzosen verwendet.
Tuberculinum residuum Extraktion der wasserlöslichen Anteile von T. Koch. Häufig von den Franzosen verwendet.
Tuberculinum testium aus menschlichen tuberkulösen Keimdrüsen präpariert. Durch Burnett geprüft.
Sheilagh Creasy
Anmerkungen des Übersetzers:
Der Begriff tubercular wurde auf zweierlei Weise übersetzt:
wenn er sich auf die konkrete Krankheit Tuberkulose bezieht, wie z.B. bei ubercular meningitis, wurde er mit Tuberkulös, hier tuberkulöse Meningitis übersetzt. Bezieht er sich auf die Reaktionslage des Kranken, was im Text mit Dyskrasie, Diathese oder Miasma ausgedrückt wird, so wurde er, in Anlehnung an den Begriff Etat tuberculinique französicher Homöopathiker, mit tuberkulinisch übersetzt.
Der heute nicht mehr verwendete Begriff der älteren englischsprachigen medizinischen Literatur Bright's Disease, der Synonym stand für eine Nierenerkrankung mit Albuminurie, wurde mit Glomerulonephritis übersetzt.
Die Abkürzungen der Arzneinamen wurden sämtich an das Abkürzungsverzeichnis des Synthetic Repertory von Barthel/Klunker, 4. Aufl., Heidelberg 1992, angeglichen.
Ebenso wurden für das Kapitel 10 (Rubriken, die Tuberculinum enthalten), alle Rubriken der Abteilung Gemüt und Allgemeinsymptome sowie diejenige aus den Abteilungen Schlaf, Träume, Sexualität, soweit dort enthlalten, in der Übersetzung des Synthetic Repertory übernommen.
Dr. Klaus Holzapfel