Anmerkungen zu den Nosoden
Tuberculinum und Bacillinum in der täglichen Praxis !!Gebraucht!!
von Creasy, Sheilagh
Leseprobe:
Bei der Arzneimittelauswahl muß zuallererst sichergestellt sein, daß es sich um das ähnlichste Mittel handelt im Vergleich mit dem ausgearbeiteten Symptomenkomplex des Individuums. Die Angaben des Patienten und seine Beschwerden liefern dafür die Basis, denn wir erinnern uns, daß die Symptome die Sprache der Krankheit sind. Hinzu kommt die persönliche Vorgeschichte, wie verspätete Entwicklung, Drüsenschwellungen, rezidivierende Bronchitisattacken, Hautprobleme und die allgemeinen Vorgeschichten beider Linien der Familie. Kent stellt fest, daß "die Krankheit in einer Reihenfolge vom Beginn bis zum Ende und wieder zurück verfolgt werden muß, denn die Endergebnisse der Krankheit sind abhängig von Umständen und Vererbung". Beim Aufrollen eines Falles lautet eine weise Vorschrift: "grabe nicht zu früh zu tief" - halte Dich an das vor Augen Liegende, d.h. die jüngste Entwicklung in der Krankheit des Patienten.
Zweitens finden wir in einigen chronischen Fällen, daß die Wirkung des wohlindizierten Mittels keine andauernde Besserung bringt, obwohl sogar eine höhere Potenz verabreicht wurde. Es gibt ein Hindernis, einen Widerstand dagegen, daß die Arznei wirkt, wie sie sollte. Diese 'Mauer', wie Burnett es nannte, ist eine zugrundeliegende Schicht innerhalb der Konstitution und wahrscheinlich die ererbte Ursache der Krankheit, die sich selbst in einer Vielzahl von Erscheinungsbildern manifestieren kann. Dieses verstehen wir besser, wenn wir uns klarmachen, daß Krankheit ein Zustand und nicht eine Entität ist. Die wichtige Rolle der Nosoden beim Niederreißen dieser Mauern, die wir so oft bei unseren Patienten vorfinden, kann nicht hoch genug bewertet werden. Das tuberkulinische Miasma/Diathese/Dyskrasie, wie immer wir es nennen wollen, ist ein sehr reales Hindernis für die Wirkung eines "wohlausgewählten" Mittels. In den folgenden Aufzeichnungen sehen wir die große Anzahl unserer wichtigsten Polychreste, die mit der tuberkulinischen Diathese in Verbindung gebracht werden. Wenn nach einer guten Reaktion auf eine Arznei weder die Wiederholung, noch die Erhöhung der Potenz die gewünschte Wirkung zeigt, verlassen wir diese Arznei nicht, um nach einer anderen zu suchen. Betrachten wir die Symptome der Nosoden dieses Falles, und nach Verabreichung der entsprechenden Nosode werden wir sehen, daß unser ursprüngliches Mittel immer noch angezeigt ist und jetzt den Fall weiterbringen wird.
Hahnemann spricht im Organon, § 173, 175, 176, 215 von den "einseitigen Fällen". Kent schreibt in seiner Materia medica unter Magnesium carbonicum: "Die Fälle, die schwer zu führen sind und für die es schwierig ist, Arzneien zu finden - sie gehören zum Siechtum der Tuberkulose - verbergen ihre Probleme derart, daß ihre Symptome nicht hervorkommen. Diese sind die einseitigen Fälle, von denen Hahnemann sprach".
Die meisten Autoren zu diesem Thema, geben die Miasmen Psora, Pseudo-Psora, Sykose und Syphilis an, aber nicht das tuberkulinische als solches. Die einzigen mir bekannten Bücher, die wesentliche Auskunft geben über Tuberculinum und Bacillinum, sind: H. C. Allens "Materia medica of the Nosodes", welches beide anführt, Burnetts Werke (Bacillinum), J. H. Clarkes "Dictionary of Practical Materia Medica" (Tuberculinum und Bacillinum), Roberts "Principles and Art of Cure by Homoeopathy" wo er die Tuberkulose auf das syphilitische Stigma bezieht, sowie Kents Materia medica von Tuberculinum. J. H. Allen in seinen "The Chronic Miasms" läßt uns nicht ganz im Klaren darüber, was er unter Pseudo-Psora verstand (S. 23), und wir können nur eine Anspielung auf die Tuberkulinie annehmen. Jüngerer Wissenszuwachs stammt vor allem aus Frankreich und ist im Weiteren angegeben.
P. Schmidt bevorzugte Tuberculinum bovinum. Er war auch nicht damit einig, daß Tuberkulose Psora-Syphilis sei, sondern er sah sie als Psora-Sykose an.
A.Nebel, Montreux (Schweiz), betrachtete Tuberkulose als synonym mit Psora.
Dr. Vannier, Frankreich, unterteilte die Psora in eine Kombination von Tuberkulose und Psora.
Roberts schreibt über das Thema des syphilitischen Stigmas, "Tuberkulose umfaßt nicht nur die nachgewiesene tuberkulöse Läsion, wie z.B. der Lungen, Drüsen, Knochen, sondern es gibt ein Vorstadium, welches die Franzosen "Etat tuberculinique" nennen, das bedeutet Tuberkulinismus ohne Anwesenheit von Tuberkelbazillen".
Grimmer betrachtete kanzeröse Erscheinungen ausgehend von der tuberkulinischen Diathese. Stethoskop oder Tests helfen in diesen Fällen wenig um die Ursachen solcher reaktionsarmer Zustände herauszufinden.
Eine brauchbare Methode zum Herausarbeiten der Nosoden besteht darin, sich immer eine Anmerkung zu machen, wenn sie bei der Repertorisation auftauchen. Das bedeutet, daß nach Auswahl der Rubriken und Elimination, jede Nosode, die in irgendeiner der Rubriken erscheint, am Rand vermerkt wird. Dieselbe Regel sollte auch für Thuja gelten. Auf diese Weise bekommt man einen Überblick über mögliche Blockierungen eines Falles und ist vorbereitet, wenn diese zum Tragen kommen.
Nach Wright-Hubbard sind bei Kindern und Kleinkindern die Symptome oft schwer herauszufinden, und die Gabe der passenden Nosode wird die chronischen Symptome für die weitere Verordnung hervorbringen. Ihr Bild tuberkulinischer Kinder ist:
Heftige Zornanfälle, Treten, Kratzen, Schreien auf dem Boden.
Kleinkind mit Engelsgesicht.
Alabasterhaut.
Keine Ausdauer oder Konzentration.
Neigung zu häufigen Erkältungen und Husten.
Teilnahmslos, schwach; Drüsenprobleme.
Sie gibt an, daß Bacillinum mehr in eigentlichen Fällen von Tuberkulose geeignet ist, oder bei einer Sekundärinfektion, und daß Tuberculinum eher eingesetzt werden sollte bei ererbter Tendenz zu dieser Krankheit. Wenn infolge der Familiengeschichte mehrere Nosoden angezeigt sind, dann muß unsere erste Arzneiwahl durch die Auswertung der derzeitigen Symptome des Falles geleitet sein. Wenn diese Schicht abgetragen ist, wird das nächst darunterliegende Miasma in den Vordergrund treten.
Wir finden Tuberculinum oft angezeigt in den verschiedenen Lebensabschnitten. Kindheit und Jugend sind offensichtliche Zeiten des Wachstums und der Veränderung, in denen das tuberkulinische Miasma zum Voschein kommen kann. Ebenso kann der tuberkulinische Zustand durch emotionale oder Umwelteinflüsse in den Jahren der Reife ausgelöst werden, und auch in den weiteren höheren Lebensabschnitten kann sich der latente psorisch-syphilitische Zustand wiederum manifestieren.
"Keine homöopathische Praxis kann ihre besten Ergebnisse erreichen ohne den Einsatz von Tuberculinum und Bacillinum."