Gesamte Arzneimittellehre !!Gebraucht!!
von Hahnemann, S.
Leseprobe:
Geleitwort
Im deutschen Sprachraum ist in den letzten Jahrzehnten eine Rückbesinnung der homöopathischen Ärztinnen und Ärzte auf ihre Wurzeln erkennbar. Dieser Umschwung wurde mit der Übersetzung des Kent'schen Repertoriums eingeleitet. Unter dem Namen der klassischen Homöopathie wurden die Auffassungen Kents übernommen, später erfolgte die Wiederentdeckung der Arbeiten v. Bönninghausens und es scheint, als ob jetzt die ursprüngliche Homöopathie Hahnemanns ihre Renaissance erleben würde. Diese Rückbesinnung auf Hahnemann ist durchaus als Gegenbewegung zu modernen Strömungen zu sehen, die, psycholo-gisierend, individuelle menschliche Verhaltensweisen ins Zentrum der Aufmerksamkeit stellen und - als krankhaft angesehen - für das zu Heilende halten.
Hahnernanns Vorstellung einer Medizin als wissenschaftliche Arzneiheilmethode ist im §3 Orgci-non umrissen;
.....weiß er [der Arzt) nach deutlichen Gründen das
Heilende der Arzneien dem, was er an dem Kranken unbezweifelt Krankhaftes erkannt hat, so anzupassen, dass Genesung erfolgen muß."
Sein Grundanliegen war, diese Bedingungen zu erkennen und die Voraussetzungen durch die dazu nötigen Arzneimittelprüfungen zu schaffen, damit als Ergebnis der arztlichen Behandlung die Heilung gesetzmäßig eintreten kann. Nun lässt Hahnemann keinen Zweifel daran, dass es sich bei den Arzneisymptomen, die zu den Patientensymptomen in Ähnlichkeitsbeziehung zu setzen sind, ausschließlich um Arzneiprüflingssymptome handeln muss und um keine andere Symptomenart. Er sagt in der Vorrede zu Band l der Reinen Arzneimittellehre:
"Bloß dieser ihre reine Wirkung lässt sich genau erforschen, folglich voraus bestimmen, ob diese im gegebenen Falle helfen könne, oder jene andere [Arznei]."
Oder:
"Homöopathie ... lehret, wie man bloß nach deutlichen Antworten der befragten Natur, mit voraus zu bestimmender Gewißheit, Krankheiten schnell, sanft und dauerhaft in Gesundheit umwandeln könne."
(Fußnote in der Vorrede zur Chinarinde, Reine Arzneimittellehre, Band 3}
Nur die durch Arzneimittelprüfung gefundenen Symptome schaffen die Grundlage dieser Hei-lungsgewissheit. Sobald die Prüfungssymptome vorliegen und sie gründlich studiert wurden, weiß die Leserin/der Leser damit, welche Patienten-Symptome damit ein für alle Mal in Zukunft gebeilt werden können.
So schreibt Hahnemann in der Vorrede zu Chamo-milla (Reine Arzneimittellehre, Band 3):
"Aus den Symptomen und Beschwerden, die die Cha-mille für sich in gesunden Menschen erregt, erstehet man, welche natürlichen Krankheitszustände sie schnell, mit Gewißheit und dauerhaft heilen kann, heilen wird, heilen muß."
Dieser strikten Forderung Hahne mann s, die Ähnlichkeitsbeziehung zwischen Patientensymptomen und Arznei Wirkungen ausschließlich anhand von PrüfungsSymptomen (und nicht durch Heiloder klinische Symptome etc.) herzustellen, ist durch die Arzneibestimmung mittels Repertorium gar nicht möglich nachzukommen. Im letzten Jahrhundert der Homöopathie wurde es üblich, die Arzneifindung durch ein Repertorium anzustellen und zu begründen. Nun finden wir darin nicht nur Prüfungssymptome, sondern - in den Rubriken nicht davon unterschieden - klinisch beobachtete Heilungssymptome, am Patienten verifizierte Prüfungssymptome, klinische Beobachtungen oder Arzneizuordnungen zu klinischen Diagnosen. Hahnemann bat aus gutem Grund die Arzneiwahl aufgrund klinischer Symptome oder Beobachtungen völlig abgelehnt:
"Vielmehrsollen sie [die klinischen Symptome] nur dazu dienen, zuweilen eine kleine Bestätigung der richtigen Wahl des aus den reinen, eigenthümlichen Arznei-Wirkungen, nach Aehnlichkeif der eruierten Krankheits-Zeiclien des Falles schon gefundenen, homöopathischen Heilmittels abzugeben." (Fußnote in der Vorrede zu Alumina, Die chronischen Krankheiten, Band 2)
Bereits für die Verleger Hahnemanns war die Publikation seiner Werke ein unternehmerisches Risiko und finanzielles Wagnis. Deshalb ist dem
Haug Verlag sehr zu danken, die Arzneimittellehren für die Praxis aufzubereiten und - trotz aller Software-Konkurrenzprodukte - in neuer Gestalt aufzulegen.
Diese Neuausgabe fasst alle Arzneiprüfungen Hah-nemanns in einem einzigen Werk in einer übersichtlichen Ordnung zusammen. Damit werden auch Arzneimittelprüfungen zugänglich, die von Hahnemann nicht in der Reinen Arzneimittellehre oder in den Chronischen Krankheiten veröffentlicht wurden und bis jetzt erst mühsam in anderen Schriften gesucht werden mussten. Es ist dieser Edition auch gelungen, die Originalität der Quellenwerke zu erhalten, sodass die ursprüngliche Nummerierung der Symptome ersichtlich ist, nach der bis jetzt in der Literatur zitiert wurde. Die gesamten Arzneiprüfungen Hahnemanns liegen damit in einer praxisgerechten Form vor. Es ist zu wünschen, dass durch die leichtere Zugänglichkeit der Originalquellen die homöopathischen Verschreibungen noch präziser vorgenommen werden können. Deshalb sei dieser Ausgabe der Erfolg beschieden, der ihr durch ihre Bedeutung zukommt.
Großlobming, im Winter 2006
Dr. Anton Rohrer