Theorie und Praxis der Homöopathie - statt 27,-- € jetzt 14,-- € - Sie sparen 13,-- €
von Gunavante S. M.
Vorwort:
Vorwort zur ersten Auflage
Die Homöopathie ist auf dem Vormarsch. Sie wird es sicherlich weiterhin sein, solange es Wahrheitssucher gibt, die sich nicht davor fürchten, die Behauptungen zu untersuchen, die zugunsten irgendeines Medizinsystems gemacht werden, und sie zu akzeptieren, wenn sie sich als wahr herausstellen. Wie HAHNEMANN über die Homöopathie gesagt hat: "Diese Lehre beruft sich nämlich nicht nur hauptsächlich, sondern einzig auf den Ausspruch der Erfahrung." [RA, Bd. 3, S. 5]. Es ist ein glückliches Zeichen der Zeit, daß es unter den modernen Schulmedizinern Wahrheitssucher gibt, die aufgeschlossen sind und begierig darauf zu erfahren, was Homöopathie ist und wie sie ihnen helfen kann, der leidenden Menschheit wirksamer zu dienen. Schließlich ist die Ausübung der Medizin einer der edelsten Berufe; am edelsten ist derjenige, der ihn als Berufung begreift. Eine solch edle Gesinnung ist von doppeltem Segen. Sie ist von Segen für diejenigen, deren Beschwerden geheilt werden. Von diesen erfährt der Arzt wiederum nicht nur materiellen Segen, sondern auch Hochachtung, Ansehen und Ruhm.
DR. SUBODH MEHTA gehörte zu diesen edel gesinnten Homöopathen. Vom Professor für Chemie stieg er durch Homöopathie zum Heiler auf. Täglich strömten viele Menschen mit unterschiedlichen Beschwerden zu ihm, und er brachte ihnen mit den süßen kleinen Pillen kostenlos Linderung und Heilung. Kurz vor seinem Tode 1970 spendete ein dankbare breite Masse und gab ihm die finanziellen Mittel, eine Stiftung zu gründen, die zum Ziel hat, seine Mission der Heilung fortzuführen und die Sache der Homöopathie voranzubringen.
Zu meinem Glück begegnete ich vor einigen Monaten DR. S. K. MANKAD, dem Leiter des von der Stiftung betriebenen Subodh Mehta Medical Centre. Von dem leidenschaftlichen Wunsch beseelt, etwas zu unternehmen, um den Zielen der Stiftung zu entsprechen, träumte DR. MANKAD damals davon, eine Vortragsreihe über Homöopathie für allopathische Ärzte zu organisieren, die ihn um Aufklärung über dieses Thema gebeten hatten. Ich griff diese Idee sofort auf und sicherte ihm jede mir mögliche Unterstützung zu, um seinen "Traum" wahrzumachen. Als wir die Angelegenheit weiter besprachen, fühlte ich mich durch das von ihm in mich gesetzte Vertrauen ermutigt. Zudem durch meinen Enthusiasmus über die magischen Heilungen durch die Homöopathie beflügelt, begann ich die Vortragsreihe zu schreiben, nachdem ich die gesamte Literatur, die mir zur Verfügung stand, zu Rate gezogen und studiert hatte. Auf diese Art und Weise kam dieses Buch zustande, und es bereitet mir großes Vergnügen, es jenen zu präsentieren, die gerne lernen möchten, die Kunst der Verschreibung homöopathischer Arzneimittel "ohne Tränen" zu meistern (wobei sie nicht notwendigerweise Allopathen sein müssen).
In dieser Vortragsreihe wurde der Versuch unternommen, so viele Detailinformationen wie möglich zu vermitteln, und das logisch und Schritt für Schritt, um es zu erleichtern, die einzelnen, im Buch behandelten Themen schnell zu verstehen. Die Wahl des homöopathischen Arzneimittels hängt sowohl von der Beherrschung der Materia medica, als auch der Philosophie dieser Wissenschaft ab. Da dies von der Bewertung verschiedener Faktoren abhängt, kann jede verläßliche Anleitung in diesem Punkt ein bedeutender Beitrag zur Förderung und Verbreitung der Homöopathie sein. Der Autor ist der Meinung, daß von solch verläßlicher Anleitung, obwohl sie den Homöopathen bekannt ist, nicht Gebrauch gemacht wird, aus Mangel an Vertrauen in die Methode, das sich nur durch ständige Übung einstellen kann. Zur Anleitung der Anfänger wird auch eine kurze Beschreibung der klassischen homöopathischen Literatur angefügt, die sich für verschiedene Lernstufen eignet.
Wenn die Homöopathie eine Wissenschaft ist, was ohne Zweifel der Fall ist, versteht es sich von selbst, daß die erfolgreichen Verschreibungen der Meister dieser Kunst von jedem anderen Homöopathen reproduzierbar sein sollten, dem identische Angaben gemacht werden. Als logische Folge sollten bei einem bestimmten Fall verschiedene Homöopathen imstande sein, unabhängig voneinander für das gleiche Arzneimittel zu stimmen. Wie können wir dieses erstrebenswerte Ziel erreichen? Dadurch, daß wir auf zwei einfache Bedingungen achten, nämlich ein wirksames Werkzeug zu haben und die Technik zu beherrschen, es anzuwenden. Ein Künstler oder Kunsthandwerker, der nur über eines von beiden verfügt, kann keine Waren liefern. In der Homöopathie stellt ein vollständiges und gut geplantes Repertorium das Werkzeug dar (eine vollständige Materia medica mit dem Hahnemannschen Schema ist die andere Seite der Medaille). Technik bedeutet die Beherrschung der [homöopathischen] Prinzipien und der Philosophie, wie sie sich in der Fähigkeit zeigt, den Fall aufzunehmen (die charakteristischen Symptome ans Licht zu bringen) und die wichtigsten Symptome für die Repertorisation zu bewerten, und wenn nötig, in der Materia medica nachzuschlagen. Das Werkzeug sollte alle Vergleiche und Differenzierungen zwischen den Arzneimitteln liefern, zusammen mit dem Grad ihrer klinischen Bestätigung. Wohingegen die Technik in unserer Fähigkeit liegt, das Werkzeug effizient, d. h. schnell und genau zu benutzen. Wenn wir durch ständige Übung die Technik zu meistern lernen, erheben sich unsere Fähigkeiten unversehens zur Kunst oder zur Intuition. Dieser logische Prozeß scheint zu erklären, wie die alten Meister der Verschreibung die homöopathische Verschreibung zur Kunst entwickelt haben, ohne solch ausführliche Repertorien, sondern durch enorme Arbeit. Wenn man die Spitze eines Wolkenkratzers betrachtet, wird einem schwindlig, sie scheint wie ein Wunderwerk. Wenn wir jedoch Schritt für Schritt analysieren, wie der Baukünstler vorgegangen ist, bis er bei der Spitze ankam, entfaltet sich uns eine Technik, die jeder Mensch mit durchschnittlicher Intelligenz und dem Willen, "etwas zu erreichen", meistern kann. Beim Prozeß, in einem bestimmten Fall das Similimum auszuwählen, kann es nicht anders sein.
Daher mein Apell, ein perfektes Repertorium zu entwickeln, das alle Symptome beinhaltet, von denen man weiß, daß sie sowohl von den gutgeprüften als auch von den unzureichend geprüften Arzneimitteln verläßlich hervorgerufen oder wiederholt geheilt wurden. Die Repertorien von BOGER-BOENNINGHAUSEN und KENT liefern uns, als gegenseitige Ergänzung verwendet, zusammen viel von dem Material, das für dieses "perfekte Repertorium" notwendig ist. Meiner bescheidenen Meinung nach sollten wir die Struktur des Repertoriums von BOGER-BOENNINGHAUSEN als Grundlage verwenden, und dort, wo etwas als fehlend erkannt wird, sollten Rubriken und Arzneimittel aus dem Repertorium von KENT in das Repertorium von BOGER-BOENNINGHAUSEN übertragen werden. Es sollte auch die Anstrengung unternommen werden, zusätzliche Rubriken auf der Grundlage klinischer Bestätigungen der Nosoden (einschließlich der Darmnosoden) und schlecht geprüfter Arzneimittel einzufügen. Aber das ist eine Aufgabe für die Zukunft; im Moment können die beiden Repertorien zusammen die meisten Probleme lösen, selbst bei seltenen und schwierigen Fällen.
Ich habe ausführlich über die Nützlichkeit der Repertorisation geschrieben, und ich bitte, mich dafür zu entschuldigen; aber ich tat es nur im Hinblick darauf, die Aufmerksamkeit deutlich auf die Tatsache zu lenken, daß die meisten Homöopathen diesen Aspekt mehr als jeden anderen vernachlässigen. "Zeitmangel" ist eine Ausrede, die auf falschen Prioritäten beruht. In Wirklichkeit sind sorgfältige Fallaufnahme, Entwicklung der Fähigkeit des Repertorisierens unter Verwendung der "kleinstmöglichen Symptomengruppe von größtem Wert" und Verabreichung des korrekten Arzneimittels in der angemessenen Potenz gleich von Anfang an, der beste Weg "Zeit zu sparen" und "Ansehen zu gewinnen".
Ich habe persönlich die Schwierigkeiten erlebt, das Arzneimittel zu finden, indem man sich auf seine "Kenntnis der Materia medica" verläßt, oder nur darin nachschlägt, ohne die Hilfe eines vollständigen Repertoriums in Anspruch zu nehmen. Später habe ich dann erlebt, mit welcher Leichtigkeit man in der Mehrzahl der Fälle mit Hilfe des Repertoriums das Arzneimittel finden kann (oder eine Gruppe von zwei oder drei konkurrierenden Arzneimitteln). Ich war der Ansicht, daß Anfänger in der Homöopathie nicht gleich von Anfang an durch dieselbe Mühle der Enttäuschung und Entmutigung gehen sollten, und darin keine Entschuldigung finden sollten, zur "Mixopathie" oder sogar zur Allopathie abzugleiten. Deshalb wird in dieser Vortragsreihe eine Methode "jenseits der ausgetretenen Pfade" empfohlen, die darin besteht, die Materia medica durch das Repertorium zu erlernen und "durch Behandlung zu lernen". Ich fordere die Leser und die Protagonisten der verschiedenen Schulen auf, uns ihre Meinung darüber mitzuteilen, inwieweit diese Methode wirklich dem beabsichtigten Zweck dient. Nur zu gerne werden wir unsere Ansicht einer Prüfung unterziehen und methodische Verbesserungen einführen, die sich im Lichte der Erfahrung eines breiten Querschnitts von Homöopathen ergeben.
Wir haben in diesem Buch der Versuchung widerstanden, auch nur einen Umriß der wichtigsten Arzneimittel der Materia medica zu zeichnen, weil selbst die beste Zusammenfassung dem großen Wirkungsbereich unserer Polychreste nicht gerecht würde. Ein solcher Versuch ist auch im Hinblick auf die Tatsache nicht notwendig, daß es ausgezeichnete Bücher von hervorragenden Homöopathen gibt, wie NASHS Leitsymptome in der homöopathischen Therapie, ALLENS Leitsymptome wichtiger Mittel der homöopathischen Materia Medica, TYLERS Homöopathische Arzneimittelbilder und die Homöopathischen Arzneimittelbilder von J. T. KENT, die, wenn sie in dieser Reihenfolge gelesen werden, dem Leser
dabei helfen werden, den Genius der Arzneimittel viel besser zu erfassen als mit jeder anderen Methode. Dennoch kommt nichts dem Vertrauen in die Kraft der Arzneimittel gleich, wie die erfolgreiche Behandlung von Patienten mit Hilfe des Repertoriums, und nichts erleichtert mehr den Erwerb von Wissen über die unterscheidenden Charakteristika der Arzneimittel.
Abgesehen von dem glücklichen Umstand, Unterstützung durch DR. S. K. MANKAD zu bekommen, erwies mir DR. ANIL BHATIA, Rektor des Govt. Homoeopathic Medical College in Bombay die besondere Gunst, trotz seines engen Zeitplans den Entwurf der Vortragsreihe durchzugehen und wertvolle Verbesserungsvorschläge zu machen. Dank schulde ich auch DR. BHANU D. DESAI, der mir Vertrauen in das Repertorium von BOGER-BOENNINGHAUSEN eingeflößt hat und mich in dessen Gebrauch angeleitet hat. Besondere Anerkennung schulde ich folgenden Autoren und der Anleitung, die mir ihre Werke boten: DR. DEWAN HARISH CHAND, DR. JUGAL KISHORE, DR. J. N. KANJILAL (und dem von ihm herausgegebenen Journal Hahnemannian Gleanings), DR. S. P. KOPPIKAR (und dem von ihm herausgegebenen Journal Homoeopathic Heritage) und dem verstorbenen DR. P. SANKARAN (und dem von ihm herausgegebenen Journal Indian Journal of Homoeopathic Medicine); zudem natürlich den großen alten Meistern wie J. T. KENT, GIBSON MILLER, H. A. ROBERTS, MARGARET TYLER, A. PULFORD, F. BELLOKOSSY, ELIZABETH WRIGHT HUBBARD, SIR JOHN WEIR, B. K. SARKAR und vielen anderen mehr. Schließlich bin ich DR. H. L. CHITKARA aus Neu Delhi dankbar, daß er das Typoskript kritisch durchgegangen ist, und eine Anzahl von Vorschlägen gemacht hat, die die Nützlichkeit erhöht haben.
Während die Anerkennung für all die guten und eigenständigen Ideen, die an den geeigneten Stellen in dieser Vortragsreihe eingefügt wurden, den verschiedenen maßgeblichen Quellen zusteht, die ich zu Rate gezogen habe, hoffe ich, man möge mir alle Mängel oder Ungenauigkeiten bei der Darstellung verzeihen. Vorschläge (die man an das Dr. Subodh Mehta Medical Centre, 16th Road, Khar, Bombay, senden möge), die dazu dienen, den Nutzen dieses Buches zu erhöhen, werden dankbar angenommen und zur Einarbeitung in nachfolgenden Ausgaben geprüft.
Schließlich habe ich in Anbetracht der Tatsache, daß dieses Buch ohne die Inspiration durch den Dr. Subodh Mehta Medical Relief Trust nicht das Licht der Welt erblickt hätte, und da es einen Liebesdienst für die Homöopathie darstellt, alle meine Rechte zugunsten besagter Stiftung abgetreten. Wenn dieses Buch zur größeren Verbreitung der hahnemannschen Homöopathie beiträgt, um die diversen Beschwerden wirklich zu heilen, die die Menschheit ererbt hat, so wird mir dies Lohn genug sein.
S. M. GUNAVANTE
Bombay, 15. März 1982